Berlin - Der Strafprozess gegen den Autor Hans-Joachim Lehmann wegen Verdachts auf Beleidigung und üble Nachrede wird ab Montag vor dem Amtsgericht Tiergarten neu aufgerollt. Hintergrund des Verfahrens gegen den 74-Jährigen ist eine 79-seitige Abhandlung, in der er im Juni 2018 der damaligen Berliner Senatssprecherin Claudia Sünder falsche oder geschönte Angabe zu ihrem Lebenslauf vorgeworfen hatte.

In einem ersten Prozess im Mai 2019 war der Autor freigesprochen worden. Das Berliner Kammergericht der Hauptstadt hob das Urteil auf Revision der Staatsanwaltschaft auf. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Autor vor, er habe die Frau verhöhnt, beleidigt und in seiner Abhandlung ehrverletzende Behauptungen aufgestellt, deren inhaltliche Richtigkeit er nicht habe belegen können.

Im ersten Prozess hatte das Gericht dagegen entschieden, es habe sich um eine hinzunehmende Meinungsäußerung gehandelt. Das Kammergericht ordnete dann im Oktober 2019 eine Neuverhandlung vor einer anderen Abteilung des Amtsgerichts an und begründete, es sei zu prüfen, ob das Werk als unzulässige Schmähkritik zu qualifizieren sei und ob es Formalbeleidigungen enthalte. Eine Formalbeleidung kann „bei besonders herabwürdigender Sprache, beispielsweise Fäkalsprache, angenommen werden, wenn diese nicht nur in der Hitze des Gefechts, sondern mit Vorbedacht genutzt würde“.