Berlin - Rund zwei Jahre nach dem Diebstahl eines aus Gold gefertigten Kunst-Vogelnestes aus einer Berliner Schule ist ein 20-Jähriger zu viereinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den jungen Mann aus einer arabischstämmigen Großfamilie am Montag unter anderem des Diebstahls in einem besonders schweren Fall schuldig.

Geplant und mit Spezialwerkzeug sei er mit mindestens einem Komplizen in die Schule eingebrochen, begründete der Vorsitzende Richter das Urteil. Die Tat bewege sich im Bereich Hochkriminalität. Einbezogen in die Strafe wurde eine frühere Verurteilung.

Goldnest ist bis heute verschwunden

Um an das filigrane Exponat zu kommen, sollen die Täter laut Anklage in der Nacht zum 15. Mai 2019 mit einer Glassäge die schussfest verglaste und vollständig verschweißt in der Wand eingelassene Vitrine zerstört haben. Die Einbrecher hätten sich zuvor Zutritt zu dem Foyer verschafft, indem sie eine Fensterscheibe in der Nähe des Haupteinganges mit einem Werkzeug zerschlagen hätten.

Mehrere Indizien, darunter eine am Griff des Einstiegsfensters sichergestellte DNA-Spur des Angeklagten, hätten zu einem sicheren Schuldspruch geführt, so das Gericht. Das Kunstwerk im Wert von rund 30.000 Euro sei bis heute verschwunden, hieß es weiter. Das Gericht ordnete die Einziehung von Wertersatz in dieser Höhe an.

Ermittler vermuten, dass das „Goldnest“ ebenso wie die 2017 gestohlene 100-Kilo-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum eingeschmolzen worden sein könnte. Für den Diebstahl der Münze wurden Clan-Mitglieder verurteilt. Der mehrfach vorbestrafte junge Angeklagte hatte zu den Vorwürfen geschwiegen. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch. Sie kündigten bereits Rechtsmittel an.