Berlin (dpa/bb) – - Im Prozess gegen zwei Brüder wegen Mordes an ihrer Schwester hat der ehemalige Ehemann der 34-jährigen Afghanin im Zeugenstand geschwiegen. Der 48-Jährige erklärte am Freitag vor dem Berliner Landgericht, er mache als geschiedener Ehemann von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten ihre Schwester umgebracht haben, weil sie sich nicht den Moralvorstellungen ihrer Familie unterworfen habe. 

Die 27- und 23-jährigen Brüder sollen die zweifache Mutter am 13. Juli 2021 getötet, deren Leiche in einem Rollkoffer von Berlin nach Bayern gebracht und diese dort vergraben haben. Zu den Vorwürfen haben die Angeklagten in dem seit rund dreieinhalb Monate laufenden Prozess bislang geschwiegen. Am 3. August 2021 waren sie festgenommen worden – der ältere Bruder in Bayern, der jüngere in Berlin. Bilder aus einer Überwachungskamera eines Berliner Bahnhofs vom Juli 2021 zeigen die Männer, wie sie einen ausgebeulten Koffer durch die Halle bis zum Zug tragen. 

Die Frau und ihre Brüder waren vor einigen Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Von ihrem afghanischen Mann hatte sich die 34-Jährige im Jahr 2018 scheiden lassen. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt und eine Debatte um den Begriff „Ehrenmord“ und die gescheiterte Integration von Flüchtlingen ausgelöst. Die Verhandlung wird am 22. Juni fortgesetzt.