Psychisch Erkrankte sind durch Corona zusätzlich belastet (Symbolbild).
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BerlinDie Fälle von Arbeitsunfähigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen sind im Vergleich weniger geworden, haben aber länger gedauert. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für die Monate Januar bis August 2020. So stieg die Dauer eines durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfalls bei den AOK-Mitgliedern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als drei Tage - von 25,9 Tagen bis August 2019 auf 29,3 Tage bis August 2020.

Nach einem stetigen Anstieg der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren war 2020 demnach erstmals wieder ein Rückgang der psychisch bedingten Krankmeldungen zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg bei den AOK-versicherten Erwerbstätigen, die wegen psychischer Probleme im Betrieb fehlten, die Dauer der Erkrankung. Die Krankenkasse schätzt, dass die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie stehen könnten.

„Offenbar haben Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen verstärkt auf die Einschränkungen und Belastungen reagiert, die mit der Pandemie einhergingen, und waren dadurch über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig.“, so Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Damit bekam laut AOK der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen einen weiteren Schub. 

Viele könnten wegen Corona auf einen Arztbesuch verzichtet haben

Schröder vermutet, dass „viele psychisch erkrankte Beschäftigte in der Lockdown-Phase zu Beginn der Pandemie aus Angst vor Ansteckung auf einen Arztbesuch verzichtet haben“. Er sagte: „Der Effekt, den wir bei den psychischen Erkrankungen sehen, gilt auch für andere Erkrankungen, die beim niedergelassenen Arzt oder im Krankenhaus behandelt werden sollten: Viele Beschäftigte haben vermutlich aus Angst vor einer Infektion den Gang zum Arzt vermieden“.

Der Rückgang könne auch damit zusammenhängen, dass das Infektionsrisiko durch die Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 gesunken, so Schröder. Demnach dürften „mehr Homeoffice, weniger Mobilität und die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln“ zum Rückgang beigetragen haben.