Für das kommende Weihnachtsfest gelten strenge Regeln. Laut den neuen Corona-Verordnungen dürfen sich Ungeimpfte nur noch mit maximal zwei Personen aus einem anderen Haushalt treffen. Das bedeutet: Ist eine Person, die älter als 13 Jahre ist, in einer Familie nicht geimpft, ist Weihnachten in größerer Runde verboten. Der Sozialpsychologe Rolf van Dick sagt im WDR, wenn Familienmitglieder sich aus Überzeugung nicht impfen ließen, solle man „versuchen, durch Gespräche vielleicht doch noch ein Umdenken herbeizuführen“. Sei das aber nicht möglich, müsse man „klare Kante zeigen“ und „ohne diese Personen feiern“.

Der WDR erklärt, zu welchen Problemen die neuen Corona-Regeln für Familien führen können. Er nennt folgendes Beispiel: Drei erwachsene Geschwister, die alle verheiratet sind und Kinder haben, wollen mit ihren Eltern gemeinsam Weihnachten feiern. Sei jedoch „eine Person über 13 Jahre nicht geimpft, muss die Familie sich entscheiden. Wollen alle gemeinsam ohne die ungeimpfte Person feiern?“ Eine andere Möglichkeit sei, dass sich „zwei Familienmitglieder aus einem Haushalt mit der Familie des oder der Ungeimpften treffen, während der Rest der Familie gemeinsam feiert“.

„Die Offenheit zum Regelbruch ist erschreckend hoch“

Es gebe zwar auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht oder noch nicht geimpft seien, sagt Sozialpsychologe van Dick weiter. Diese seien aber „sicher bereit, sich vor dem Weihnachtsfest auf Corona testen zu lassen, um sich, aber auch die Familie zu schützen“. Nur in einem solchen Fall hält der Psychologe es für „vertretbar, wenn trotz der Corona-Regeln mehr Menschen gemeinsam mit einer ungeimpften Person feiern“.

Die Weihnachtsstudie der Universität der Bundeswehr München zeigt hingegen, dass fast jeder zweite Deutsche bereit ist, sich an Weihnachten über die Corona-Verbote hinwegzusetzen. Im Durchschnitt hatten 47 Prozent der Männer und Frauen eine Bereitschaft zu Regelverstößen erklärt, sagt Studienleiter Professor Philipp Rauschnabel. Zwei Drittel (66 Prozent) der nicht geimpften Befragten gaben dabei an, dass sie sich über coronabedingte Verbote zumindest teilweise hinwegsetzen würden. Von den vollständig geimpften Personen zeigten nur 43 Prozent eine Offenheit für Regelbrüche.

Rauschnabel: „Diese Zahlen sollten uns zu denken geben. Die Offenheit zum Regelbruch ist weiterhin erschreckend hoch.“ Teilnehmer der Studie hatten verschiedene Antwortoptionen. Sie konnten etwa angeben, dass sie Verbote nicht beachten würden, weil diese mit einer wichtigen Tradition brechen würden. Eine andere Antwortmöglichkeit zielte darauf ab, dass die Befragten Verbote übertrieben fänden. Hier stimmten 39 Prozent der Ungeimpften und 18 Prozent der Geimpften zu.

80 Prozent der Befragten waren den Informationen zufolge vollständig geimpft, 16 Prozent nicht. Die 4 Prozent Teilnehmer, die sich als noch nicht vollständig geimpft bezeichneten, wurden bei den Vergleichen nicht berücksichtigt.