Der frühere Schachweltmeister und Kreml-Kritiker Garri Kasparow hat sich für weitere Sanktionen gegen Russlands Erdgas- und Ölindustrie ausgesprochen. „Das Ölembargo selbst ist natürlich wichtig, aber das Entscheidende ist jetzt die technologische Blockade“, sagte Kasparow der Augsburger Allgemeinen (Samstagausgabe). „Die russische Öl- und Gasindustrie kann ohne westliche Technologien nicht arbeiten.“

Es sei wichtig, dass es bei den Sanktionen „keine Schlupflöcher, keine Schwachstellen, keine Umgehungsmöglichkeiten gibt“, sagte der 58-Jährige, der im Exil lebt. „Bislang haben wir jedoch gesehen, dass es noch gewisse Möglichkeiten für das weitere Funktionieren der russischen Wirtschaft gibt“, sagte Kasparow. „Außerdem ist Russland auf internationaler Ebene noch nicht völlig isoliert. Jetzt ist es notwendig, strategisch zu planen.“

Der Westen sei in der Auseinandersetzung mit Russlands Präsident Wladimir Putin noch immer zögerlich, wenn es um die Verurteilung möglicher Kriegsverbrechen in der Ukraine gehe, kritisierte Kasparow. „Meiner Meinung nach sind die westlichen Länder noch nicht bereit, offiziell festzulegen, dass das Putin-Regime gegen das Völkerrecht verstoßen hat und für Kriegsverbrechen in industriellem Maßstab verantwortlich ist“, sagte der Kreml-Kritiker.

Der Westen sei „offensichtlich nicht bereit, eine direkte Konfrontation mit Russland“ zu riskieren. „Aber für uns ist klar, dass das Regime wirtschaftlich, finanziell und technologisch erwürgt werden muss, denn solange Putin an der Macht ist, gibt es keine Zukunft für Russland.“