Wladimir Putin, Präsident von Russland.
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MoskauRussland lässt den weltweit ersten Corona-Impfstoff zu. Das Mittel, das das Moskauer Gamaleja-Institut entwickelt hatte, habe die Freigabe des Gesundheitsministeriums erhalten, sagte Präsident Wladimir Putin am Dienstag während einer vom Staatsfernsehen übertragenen Videokonferenz mit Regierungsvertretern. „Ich weiß, dass es wirksam ist, dass es eine dauerhafte Immunität gibt“, fügte er hinzu.

Seine Tochter sei bereits geimpft worden, sagte Putin später der Nachrichtenagentur Interfax. Er hoffe, dass die Massenproduktion bald gestartet werden könne.

Der Impfstoff wurde allerdings bisher nur an wenigen Menschen getestet, ihn in einem so frühen Stadium zuzulassen, widerspricht internationalen Kriterien. Ausländische Experten hatten bereits zuvor ihre Besorgnis über die Geschwindigkeit geäußert, mit der der Impfstoff entwickelt wurde.

Für den Kreml ist es eine Sache des nationalen Prestiges, als erstes Land einen Impfstoff auf den Markt zu bringen: Er ist bestrebt, Russlands Image als eine globale Weltmacht zu pflegen. Im April hatte Präsident Wladimir Putin angeordnet, die Zeit für klinische Tests zu verkürzen. Wissenschaftler seien daraufhin „ins verrückte Rennen eingestiegen, in der Hoffnung, es jenen an der Macht recht zu machen“, wie Russlands Vereinigung von Organisationen für klinische Versuche es formulierte.

Der Verband äußerte erstmals Ende Mai Besorgnis, weil Gamaleja-Chef Alexander Gintsburg und andere Forscher den Impfstoff an sich selbst ausprobiert haben wollen. Das sei eine „grobe Verletzung der Grundlagen klinischer Forschung, russischer Gesetze und weltweit akzeptierter internationaler Regelungen“, kritisierte die Vereinigung.

Nicht ausreichend getestete Impfstoffe könnten vielerlei Schäden verursachen, nicht nur gesundheitliche, warnt Thomas Bollyky von der Denkfabrik Council on Foreign Relations in Washington. So könnten sie ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln oder aber das Vertrauen in Impfstoffe untergraben.