Stuttgart - Bei der „Querdenken“-Demo in Stuttgart mit mehr als 10.000 Menschen haben mehrere Teilnehmer Journalisten angegriffen. ARD-Reporter Thorsten Denzel wurde während einer Liveschalte in einer Sendung auf Tagesschau24 mit Steinen beworfen. Die Übertragung musste gestoppt werden.

„Jetzt werden hier Steine geworfen, ich glaube, wir müssen die Liveschalte abbrechen“, sagte der Reporter. Der Tagesschau24-Moderator entgegnete: „Dann brechen wir ab. Bringen Sie sich in Sicherheit, Herr Denzel, vielen Dank.“ Zu sehen ist das Gespräch in der um 17.22 Uhr ausgestrahlten Sendung.

Ein anderes Video zeigt, wie Demo-Teilnehmer das ARD-Fernsehteam beleidigen: „Lügenpresse“, „Abschaum“ und „Ihr seid Dreck“ rufen die Menschen. Zudem soll ein Demonstrant versucht haben, einen Journalisten aus Dortmund zu schlagen. „Der Polizei liegt ein Video vor, wonach mutmaßlich ein Journalist offenbar von einem Aufzugsteilnehmer geschlagen wurde. Die Ermittlungen hierzu dauern an“, hieß es in einer Mitteilung. Eine Sprecherin der Polizei sagte am Abend, die Beamten ermittelten noch, welche Angriffe es auf Medienvertreter gegeben habe.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall, erklärte, wieder einmal hätten die selbst ernannten Querdenker keine Hemmungen, Berichterstatter als Ziel ihrer Wut anzugreifen. „Wütend macht mich die offensichtliche Untätigkeit der Polizeibeamten, die nichts für den Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen unternehmen.“ Der Verband wolle wissen, warum Journalisten nicht ausreichend geschützt würden. „Was muss eigentlich noch passieren, bis die Sicherheitskräfte erkennen, dass Journalistinnen und Journalisten in Deutschland nicht mehr frei berichten können?“