Rabbiner Dayan Chanoch Ehrentreu ist tot

Er galt als einer der bedeutendsten Rabbiner der Nachkriegszeit in Europa. 2018 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Jetzt ist Dayan Chanoch mit 89 Jahren gestorben.

Dayan Chanoch Ehrentreu mit Sigmar Gabriel bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2018.
Dayan Chanoch Ehrentreu mit Sigmar Gabriel bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2018.imago/phototek

Der Rabbiner Dayan Chanoch Ehrentreu ist tot. Er war einer der führenden europäischen Rabbiner der Nachkriegszeit und trug maßgeblich zum Neuaufbau jüdischen Lebens in Großbritannien und Deutschland bei. Wie die charedische Nachrichtenseite Hamodia am Donnerstag mitteilte, starb Ehrentreu im Alter von 89 Jahren in einem Londoner Krankenhaus.

Ehrentreu wurde 1932 in Frankfurt am Main geboren. Im Alter von sechs Jahren erlebte er, wie während der Novemberpogrome 1938 die Synagoge in seiner Heimatstadt in Brand gesteckt wurde. Ehrentreus Familie emigrierte später nach Großbritannien. Dort wurde er Direktor der Prestwich Jewish Day School bei Manchester.

Ehrentreu erhielt Bundesverdienstkreuz

Von 1979 bis 1984 war Chanoch Ehrentreu Rabbiner in Manchester, danach wurde er Mitglied des jüdischen Rabbinatsgerichts Beit Din in London, später sogar Oberhaupt des Beit Din der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER).

Ehrentreu galt als konservativ, verbesserte als Teil des Beit Din jedoch die Lage jüdischer Ehefrauen, deren Männer sich weigerten, ihnen den sogenannten Get (Scheidebrief) zu gewähren. Auch durften unter seiner Leitung Frauen in der Leitung orthodoxer jüdischer Gemeinden mitarbeiten.

Für sein Engagement für den Aufbau jüdischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erhielt Ehrentreu 2018 vom damaligen Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) das Bundesverdienstkreuz.