New York - Der US-Verband Major League Baseball (MLB) hat beschlossen, den sogenannten Negro Leagues den höchsten Ligastatus zu verleihen, sie also auf eine Stufe zu stellen mit ihren vereinigten Major-Ligen American und National League. Die ersten Klubs wurden bereits 1887 gegründet – weil Schwarze nicht in den „weißen“ Ligen mitspielen durften. Die Trennung in der MLB endete erst, nachdem 1948 die Brooklyn Dodgers den Schwarzen Jackie Robinson verpflichtet hatten.

2020 gilt offiziell als 100. Gründungsjahr der Negro Leagues. Nachträglich eingerechnet werden nun aber nur die Jahre 1920 bis 1948. Bislang gilt etwa der umstrittene Barry Bonds als der Mann mit den meisten Homeruns insgesamt (762) und in einer Saison (73). Nun allerdings könnte Josh Gibson auf Platz eins rücken. Er wurde nach einem weiteren berühmten Baseballer – der „schwarze Babe Ruth“ genannt und bereits in die entsprechende Hall of Fame aufgenommen. Die Historiker schätzen, dass er mehr als 800 Homeruns schlug.

Kritik: MLB gehe über ihre Sünden hinweg

Die späte Anerkennung der sieben Ligen und damit der Leistungen von Schätzungen zufolge etwa 3400 Spielern wird weitgehend begrüßt. Bob Kendrick, Präsident des Negro Leagues Baseball Museums, zeigte sich begeistert und sprach von einer verdienten Würdigung. Andere kritisierten, diese Eingliederung komme in Wahrheit viel zu spät – und aus den falschen Gründen.

Die Negro League, schrieb der Kolumnist Howard Bryant des Sportssenders ESPN, seien das Resultat von Rassismus gewesen, und die MLB gehe über ihre Sünden einfach hinweg, indem sie sich Spieler dieser Ligen einfach einverleibe. Er schrieb weiter: „Anstatt seinen historischen Teil der Schuld zu tragen, wie wir es alle müssen, verzerrt Baseball das Bild und erinnert uns so daran, dass in Amerika jede Heilmethode eine Option ist – mit Ausnahme der Wahrheit.“