Rassismus bei Johannitern? Neues Meldesystem soll Täter aufspüren 

Nach Rassismus-Vorwürfen gegen Mitarbeiter der Johanniter-Unfallhilfe will der Bundesvorstand einen Verhaltenskodex erarbeiten. 

Ein Rettungswagen auf Einsatzfahrt (Symbolbild)
Ein Rettungswagen auf Einsatzfahrt (Symbolbild)dpa/Lino Mirgeler

Nach Rassismus-Vorwürfen gegen Mitarbeiter hat die Johanniter-Unfallhilfe ein umfangreiches Maßnahmenpaket angekündigt. So soll unter Einbindung von Haupt- und Ehrenamtlichen ein Verhaltenskodex erarbeitet werden, sagte Jörg Lüssem vom Bundesvorstand der christlichen Hilfsorganisation am Dienstag in Berlin. Es gehe darum, Werte und Leitlinien des Verbandes in den Alltag aller Mitarbeitenden zu übersetzen.

Weiter sei ein „Meldesystem“ vorgesehen, um Vorgänge und Fehlverhalten mitzuteilen. Dazu soll auch eine „externe Ombudsperson“ zur Verfügung stehen. Zudem sollen Führungskräfte stärker für Fehlverhalten von Mitarbeitern sensibilisiert werden.

Geburtstage bekannter Nazis wurden in den Wandkalender eingetragen

Hintergrund sind Vorwürfe gegen einzelne Mitarbeitende unter anderem in Köln und Brandenburg an der Havel. Zuerst hatte die Berliner Tageszeitung darüber berichtet. In einem am Dienstag in Köln veröffentlichten Prüfbericht einer Anwaltskanzlei hieß es, es gebe zwar keine Hinweise auf rechtsradikale Strukturen oder systematische Fremdenfeindlichkeit. Allerdings seien Einzelfälle belegt worden.

Laut Medienberichten soll es bei den Kölner Johannitern unter anderem zu fremdenfeindlichen Äußerungen einzelner Mitarbeiter gekommen sein. In einen Wandkalender seien die Geburtstage von Nazigrößen eingetragen worden.

In Brandenburg an der Havel kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen einem dunkelhäutigen Lieferdienstfahrer und einem Johanniter-Mitarbeiter. Die Ermittlungen sind den Angaben zufolge noch nicht abgeschlossen. Der Mitarbeiter sei zurzeit freigestellt und werde den Verband verlassen, sagte Lüssem.