Berlin - Die Diskussion um Stereotype und den als rassistisch empfundenen Umgang mit anderen Kulturen hat auch den Konzern Disney erreicht. So sind die Filme „Dschungelbuch“, „Aristocats“, „Peter Pan“ und „Dumbo“ seit Ende Januar nicht mehr im Kinderprogramm von Disney Plus gelistet. Auch die Disney Plus App ist betroffen. 

Zwar sind die Filme weiterhin verfügbar, auch im Sortiment von Disney Plus Deutschland. Wer „Peter Pan“ oder „Dumbo“ ansehen will, sieht nun allerdings zunächst einen Vorspann. In diesem steht zu lesen: „Dieses Programm enthält negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind es noch heute.“

Entfernen will Disney Plus die betroffenen Inhalte aber nicht und stattdessen auf ihre „schädliche Wirkung“ hinweisen, um damit eine Diskussion über Diskriminierung ermöglichen.

Was ist an „Dumbo“, „Peter Pan“ oder „Aristocats“ rassistisch?

Auf der Homepage des Weltkonzerns Disney wird erklärt, warum Filme wie „Dumbo“, „Peter Pan“, „Aristocats“oder „Das Dschungelbuch“ rassistisch sein sollen. So bewertet der Konzern die singende Krähen im Film Dumbo als Hommage an „rassistische Minnesängershows“. Schon länger steht zudem eine weitere Szene aus dem Film „Dumbo“ über einen kleinen Elefanten mit riesigen Ohren in der Kritik. In der Szene am Anfang des Films bauen dunkelhäutige Arbeiter ein Zirkuszelt auf.

Dazu singen sie ein Lied, in dem es heißt: „Wenn andere ins Bett gehen, schuften wir uns ab, bis wir sterben.“ Zudem hätten sie nie gelernt zu lesen und zu schreiben. Dennoch seien sie „Hilfsarbeiter mit glücklichen Herzen“. Kritiker sehen darin eine„ zynische Verharmlosung der historischen Versklavung von Schwarzen Menschen“.

Rassistische Karikatur einer asiatischen Katze verstärkt Stereotype

Im Klassiker „Peter Pan“ würden indigene Ureinwohner laut Kritik wiederholt als Rothäute bezeichnet und stereotyp dargestellt. In einer Szene trage Peter Pan einen Kopfschmuck mit Federn in einer spottenden Weise.

In den „Aristocats“ ist eine Katze, die mit Stäbchen auf einem Klavier spielt, das Problem. Die Katze werde als „rassistische Karikatur ostasiatischer Völker mit übertriebenen stereotypen Merkmalen wie schrägen Augen und Buckelzähnen“ dargestellt. Weiter heißt es auf der Website des Unternehmens: „Diese Darstellung verstärkt das Stereotyp ,ewiger Ausländer‘, während der Film auch Texte enthält, die die chinesische Sprache und Kultur verspotten.“

Im Netz stößt die Entscheidung von Disney, Filme mit möglicherweise rassistischen Stereotypen aus dem Kinderprogramm zu verbannen, auf Zustimmung. So heißt es bei Utopia.de, einer deutschsprachigen Online-Plattform zum Thema Nachhaltigkeit, dass rassistische Stereotype „seit Jahrhunderten in Büchern, Filmen, Liedern und Kinderspielen“ stecken würden. Und weiter: „Rassismen wurden zur Zeit des Kolonialismus entwickelt, um die vermeintliche Überlegenheit der Kolonialmächte zu propagieren und Bevölkerungen vor Ort zu unterdrücken.“ Daher sei es „an der Zeit, die rassistischen Stereotype aufzuarbeiten und zu verbannen“.

Zum Klassiker „Dschungelbuch“ mit Mogli, Balu und Baghira heißt es bei Utopia: „In diesem Film stellen die Orang-Utans Karikaturen von Schwarzen Menschen dar. In der englischen Version wird das durch den afro-amerikanischen Akzent deutlich, den die Affen sprechen.“ Zudem würden die Orang-Utans als „faul, hysterisch und dumm dargestellt“. Damit entsprächen sie „dem Klischee, das während der Kolonialzeit über Schwarze Menschen etabliert wurde“.

Shitstorm gegen Janine Kunze geht weiter

Erst vor wenigen Tagen hatte eine Talkrunde im WDR für einen massiven Shitstorm gesorgt. Hier ging es unter anderem um die Frage: „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ Die Gäste konnten mit einer grünen Karte zustimmen und mit einer roten Karte dagegen stimmen. Alle vier Gäste hielten die rote Karte hoch. Den vier Gästen Micky Beisenherz, Thomas Gottschalk, Janine Kunze und Jürgen Milski wurde daraufhin vorgeworfen, sie würden „empathielos“, „unkritisch “und „naiv“ mit dem Thema Alltagsrassismus umgehen. 

Janine Kunze hatte sich wenig später bei Instagram entschuldigt. Angenommen wurde das jedoch nicht von allen. Eine Userin schreibt etwa: „Glaube diese Entschuldigung macht so ziemlich nichts besser, weil man weiß , dass sie nicht von Herzen stammt. Im Endeffekt geht es Ihnen gerade nur darum, Ihren Ruf zu retten und das wissen wir alle.“