Paris - Kylian Mbappés folgenreicher Fehlschuss im EM-Achtelfinale 2021 schlägt in Frankreichs Fußball ein Jahr später indirekt noch einmal hohe Wellen. Mbappé dachte offenbar nach seinem verschossenen Elfmeter im verlorenen EM-Achtelfinale gegen die Schweiz kurzzeitig an einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

„Er fand, dass wir ihn als Verband nach dem verschossenen Elfmeter nicht genug gegen die Kritik in den sozialen Netzwerken in Schutz genommen hätten“, sagte Verbandspräsident Noel Le Graet im Interview der Zeitung Journal du Dimanche: „Wir unterhielten uns fünf Minuten lang in meinem Büro. Er war sauer und wollte nicht mehr für Frankreich spielen. Aber offensichtlich hat er das nicht so gemeint.“

Mbappé: „Es stand im Zusammenhang mit Rassismus“

Der Stürmerstar sagt aber nun, der Grund sei ein ganz anderer gewesen. Er warf Le Graet Ignoranz gegenüber rassistischen Angriffen vor - weil Le Graet die Beschimpfungen durch enttäuschte Fans nach Mbappés entscheidendem Fehlversuch im Elfmeterschießen gegen die Schweiz verharmlost hatte.

„Es stand in Zusammenhang mit Rassismus und nicht mit dem Elfmeter“, stellte Mbappé am Sonntag in einer Twitter-Mitteilung seinen Standpunkt klar.

Für die verniedlichende Darstellung seines Unmuts durch Le Graet zeigte Mbappé keinerlei Verständnis. „Er war der Ansicht, dass es kein Rassismus gewesen wäre“, berichtete der 23-Jährige über weitere Details des Treffens.

Le Graet nicht zum ersten Mal wegen Umgang mit Rassismus in der Kritik

Der Verbandschef steht nicht zum ersten Mal wegen „blinder Flecken“ in der Debatte über Rassismus im Fußball in der Kritik. Erst im vergangenen September sorgte der Dauerfunktionär ebenfalls durch Verharmlosung von Fremdenfeindlichkeit im Fußball für Empörung in der französischen Öffentlichkeit. „Es gibt keinen oder kaum Rassismus im Fußball“, kommentierte Le Graet die Einleitung von offiziellen Ermittlungen wegen rassistischer Beleidigungen von französischen Nationalspielern nach dem EM-Aus.

Auf Mbappés neue Vorwürfe reagierte Le Graet in einem Interview mit dem französischen Radiosender RMC ohne Erwähnung des Reizbegriffes ausweichend: „Ich bin mir mit ihm einig. Ich habe ihn verstanden, und es gibt kein Problem mit Kylian. Ich hatte schon immer eine tiefe Verbundenheit mit ihm.“