Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden erneut mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Der Opernsänger Jeremy Osborne sagt, er sei von Kontrolleuren, die für die BVG unterwegs waren, im Oktober 2020 rassistisch beleidigt und auch verletzt worden. Der Opernsänger hat die BVG verklagt, wie der Guardian berichtet. Beide Seiten haben Anwälte eingeschaltet. Ein Urteil gibt es noch nicht.

Nach Aussage Osbornes sei er in der U2 zwischen den U-Bahnhöfen Spittelmarkt und Hausvogteiplatz von zwei Männern und zwei Frauen kontrolliert worden. Als Osborne die Kontrolleure gebeten haben soll, ihre Ausweise zu zeigen, sei die Situation laut Guardian-Bericht eskaliert. Laut dem in Arkansas geborenen Sänger schnappten sich die Kontrolleure seinen Pass und zwangen ihn, die U-Bahn am nächsten Bahnhof zu verlassen. Einer soll gesagt haben, dass „Black Lives Matter nur eine Ausrede für Sie ist“. Ein anderer soll ihn auf eine Metallbank gestoßen haben, was Schürfwunden an Unterarm und Oberschenkel verursacht haben soll. Osborne musste nach eigener Aussage die Verletzung in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Jeremy Osborne soll Fahrkarte „sehr langsam“ vorgezeigt haben

Die BVG setzt für die Fahrscheinkontrollen Subunternehmen ein. In dem Zeitungbericht heißt es weiter, Osborne habe zuvor die Kontrolleure gereizt. Laut einem anderthalb Jahre nach dem Vorfall erstellten Bericht des Subunternehmers, der teilweise mit einem unmittelbar nach dem Vorfall erstellten Polizeibericht nicht übereinstimmt, hätte Jeremy Osborne die Kontrolleure provoziert. Er soll seine Fahrkarte „sehr langsam“ vorgezeigt und sie Ausländer genannt haben (drei der vier Kontrolleure hatten die türkische Staatsbürgerschaft). Osborne, der zum Zeitpunkt des Vorfalls noch nicht die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hatte, bestreitet dies.

Es ist nicht die erste Beschwerde, die die BVG erhält. Auf Guardian-Anfrage teilt das Unternehmen mit, dass ihre Subunternehmer bereits in „interkulturellen Kompetenzen“ geschult und auf Rollenspielszenarien vorbereitet sind, in denen sie die Rolle von Passagieren übernehmen. Der Betreiber weist darauf hin, dass Fahrkartenkontrolleure selbst regelmäßig verbalen und körperlichen Angriffen ausgesetzt sind, wobei in den letzten zwei Jahren 118 Fälle zu Strafanzeigen geführt haben. Die BVG sagte, sie könne die Beschwerden, die sie über aggressives Verhalten von Kontrolleuren erhalten habe, nicht beziffern.

Nach Rassismus-Vorwürfen: Schulungen von externen Mitarbeitern intensiviert

Auf Anfrage der Berliner Zeitung heißt es von der BVG, man könne sich nicht zu dem laufenden Klageverfahren  von Jeremy Osborne äußern. Das sei auch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. Was folgt, ist eine offizielle Erklärung: „Die BVG toleriert weder Diskriminierung noch Gewalt, weder gegen Fahrgäste noch gegen unsere Mitarbeitenden. Das vermitteln wir selbstverständlich auch in den regelmäßigen Schulungen für interne und externe Mitarbeiterinnen. Diese Schulungen wurden in den vergangenen Jahren, auch aufgrund der aktuell diskutierten Fälle, noch intensiviert.“

Zudem sei seit Ende letzten Jahres auch das externe Kontrollpersonal in der U-Bahn durch blaue Westen oder Dienstkleidung direkt als solches zu erkennen, heißt es in der offiziellen Erklärung. Diese Maßnahme wirke deeskalierend und sei ein Resultat des kontinuierlichen Austausches mit Fahrgästen und Initiativen.

Korrekturhinweis: In der ersten Version des Textes sind uns zwei Übersetzungsfehler unterlaufen. In der ersten Version schrieben wir, Osborne habe die Kontrolleure als „missbrauchte Ausländer“ bezeichnet. Tatsächlich soll er sie als „Ausländer“ bezeichnet haben. Bei den Kontrolleuren handelt es sich nicht um vier Männer, sondern um zwei Männer und zwei Frauen. Wir haben das korrigiert.