Nach einem rassistischen Angriff auf eine 17-Jährige in Berlin will die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey mit der Jugendlichen reden. Sie habe ihr einen Brief geschrieben, in dem sie Solidarität und Erschütterung über das Geschehene zum Ausdruck bringe, teilte die SPD-Politikerin am Freitag auf ihrer Facebook-Seite mit. „Ich habe ihr ein persönliches Treffen mit mir angeboten, um über das Geschehene und das, was die Landesregierung aus ihrer Sicht tun kann, zu sprechen.“

Der vermutlich rassistisch motivierte Angriff habe sie sehr erschüttert, hatte Giffey bereits am Donnerstag auf Twitter erklärt. „Es ist außerdem alarmierend, dass im Raum steht, dass ihr niemand zu Hilfe gekommen ist. Es gehört viel Mut dazu, über solche Geschehnisse offen zu sprechen.“ Giffey dankte für diesen „wichtigen Beitrag“. „Ich erwarte eine gründliche Aufklärung dieser Tat und auch, dass die Täterinnen und Täter zur Verantwortung gezogen werden.“

Die türkischstämmige 17-Jährige war nach ihrer Schilderung am Samstagabend in Berlin-Prenzlauer Berg von drei Frauen und drei Männern rassistisch angepöbelt, verprügelt und getreten worden. In einem Video aus dem Krankenhaus berichtete sie teilweise weinend von dem Vorfall: „Ich wurde gestern zusammengeschlagen, weil ich Ausländerin bin.“ Sie habe um Hilfe gerufen, aber trotz vieler Menschen in der Umgebung habe niemand eingegriffen. Das Video wurde im Internet millionenfach aufgerufen.

Die Polizei hatte den Angriff anfangs falsch dargestellt und geschrieben, Auslöser des Konflikts sei gewesen, dass die Frau keinen Mund-Nasen-Schutz getragen habe. Auch die dpa hatte die ursprüngliche Darstellung der Polizei in einer Meldung übernommen und zudem die schon in der ersten Polizei-Mitteilung genannten Hinweise der jungen Frau auf rassistische Beleidigungen nicht erwähnt. Die Berliner Zeitung hatte die ursprüngliche Darstellung der Polizei ebenfalls übernommen.

Am Mittwochnachmittag gab die Polizei zu, Fehler gemacht zu haben. Demnach gab es Missverständnisse bei der Aufnahme der Anzeige. „Die hier verwendeten Informationen stammten aus den vor Ort aufgenommenen Strafanzeigen, die, wie die weiteren Ermittlungen gezeigt haben, missverständlich formuliert waren“, hieß es in der Stellungnahme der Polizei.