Anne Spiegels Presseauftritt vom Sonntag und ihre Erklärung, wonach sie ihren vierwöchigen Urlaub nach der Flut an der Ahr wegen ihres kranken Mannes und ihrer gestressten Kinder trotz Bedenken realisiert habe, sorgt weiterhin für Diskussionen. Der WDR-Journalist Jonas Wixforth schrieb auf Twitter: „Selten so hin- und hergerissen gewesen bei der Betrachtung von politischen Statements wie nach dem Auftritt von #AnneSpiegel. Für die Bewertung braucht es vermutlich sehr viele Grautöne. Also eher nix für Twitter.“ Im Bericht von Spiegel Online zum Vorfall heißt es am Montag, Anne Spiegels private Details in ihrer Pressemitteilung seien „irritierend“. Ihre Taktik sei „gefährlich“.

Selbst die linke taz kritisiert Spiegel scharf

Die FAZ informiert auf ihren Onlineseiten, dass heute der Grünen-Bundesvorstand zur Klausurtagung in Husum zusammenkommen werde. Hier werde es auch um die Zukunft der Bundesfamilienministerin gehen. „Auch wenn die Opposition Bundeskanzler Scholz bereits dazu auffordert, Spiegel zu entlassen, ist es in Koalitionen üblich, dass die Parteien eigenständig über ihr Personal entscheiden,“ schreibt die FAZ. Dann heißt es weiter: „Frank Roselieb, Direktor des Kieler Institutes für Krisenforschung, kritisierte die Arbeit des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums während der Katastrophe, bei der allein im Ahrtal 134 Menschen starben.“

Selbst die linke Tageszeitung taz veröffentlichte am Sonntagabend noch einen kritischen Leitartikel, in dem es hieß: „Anne Spiegel hat in ihrer Rolle als Umweltministerin in Rheinland-Pfalz bei der Ahr-Katastrophe versagt. Sie sollte zu ihrer Verantwortung stehen. Sie sollte zurücktreten.“

Die Netzgemeinde ist gespalten

Der Twitter-User Judgment Day wiederum schrieb: „Beim Durchlesen der Reaktionen auf #AnneSpiegel's Erklärung frage ich mich ernsthaft, ob wir ausschließlich jene Politiker:innen haben wollen, die entweder niemanden haben oder niemanden lieben (können)?!“

Die Nutzer im Netz sind, anders als die Kommentatoren, die mehrheitlich einen Rücktritt fordern, gespalten. Während die einen Twitter-Nutzer ihre volle Solidarität mit der Familienministerin bekunden, verlangen andere Spiegels Rücktritt. Die Zeit-Journalistin Yasmine C. M'Barek schrieb: „Sie wird kommende Woche zurücktreten, fernab von meiner Meinung ob sie müsste oder nicht. #Spiegel“

Anne Spiegel hat sich für ihren umstrittenen Urlaub entschuldigt.

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