BerlinNachdem der dänische Rechtsextremist Rasmus Paludan Ende Oktober nach einem Verstoß gegen das Einreiseverbot in Berlin festgenommen wurde, versucht der Politiker nun offenbar erneut, in Berlin Korane zu verbrennen. Wie die Polizei auf Anfrage der Berliner Zeitung mitteilte, hat seine islamfeindliche Partei Stram Kurs für Freitag eine Kundgebung mit zehn Personen angemeldet. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert. 

Demnach wollen Mitglieder der rechtsextremistischen Partei unter dem Motto „Demonstration gegen den Antisemitismus“ von 16 bis 19 Uhr auf dem Bürgersteig vor der Sonnenallee 125 protestieren. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Inneres und Sport habe Stram Kurs auch für Sonnabend, den 14. November, eine Kundgebung angemeldet. Tino Brabetz, Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport erklärte gegenüber der Berliner Zeitung, dass die Behörden je nach Entwicklung umgehend reagieren werden. „Dabei kommen unterschiedlichste restriktive Maßnahmen in Betracht, beispielsweise auch solche zur Aufenthaltsbeendigung. Wir dulden keine Gewaltaufrufe und lassen es nicht zu, dass Berlin Paludans Bühne für Hetze und Propaganda wird“, so Brabetz.

Paludan, der in der Vergangenheit bereits wegen islamfeindlicher Aktionen aufgefallen war, wollte bereits vor zwei Wochen in Neukölln öffentlich Korane verbrennen. Noch im Flugzeug auf dem Flughafen Tegel fingen ihn Bundespolizisten ab und händigten ihm das Einreiseverbot aus, woraufhin er umgehend zurück nach Kopenhagen flog. Nur einen Tag später soll der 38-Jährige über den Landweg erneut nach Berlin gekommen sein, wo er vor der Nordischen Botschaft festgenommen wurde. Das Einreiseverbot war bis zum 31. Oktober gültig. 

Paludan kündigt weitere Aktionen in Paris und Brüssel an

Die Sicherheitsbehörden schließen nicht aus, dass Paludan erneut versuchen wird, an der muslimisch geprägten Sonnenallee Korane zu verbrennen. Ähnliche Aktionen, die Stram Kurs auf ihrer Facebookseite ankündigt, sollen unter anderem auch in Paris und dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek stattfinden. In einem Schreiben an den deutschen Botschafter, das Paludan ebenfalls auf Facebook veröffentlicht hat, heißt es, dass er über historische Antisemiten berichten und sein Mitgefühl mit dem deutschen Volk im Kampf gegen den Antisemitismus zeigen wolle.

Paludans Aktionen haben laut Beobachter vor allem ein Ziel verfolgt: die öffentliche Provokation muslimischer Bürger. So hatten Koranverbrennungen im April 2019 in Kopenhagen bereits zu tagelangen Ausschreitungen geführt, beispielsweise nachdem er bei einer islamophoben Demonstration Korane verbrannte. Muslimische Bürger hatten sich entsetzt gezeigt und ihrer Empörung mit Randale Luft gemacht. Experten schätzen ein, dass Paludan mit seinen Aktionen derartige Reaktionen auch in Berlin provozieren will.

„Bündnis Neukölln“ ruft zur Gegendemonstration auf

Bereits kurz nach Bekanntwerden der geplanten Kundgebung der rechtsextremen Gäste aus Dänemark hat sich in Berlin eine Gegenbewegung formiert. Das „Bündnis Neukölln“ hat dazu aufgerufen, gegen die Aktion der dänischen Partei ab 13.30 Uhr zu protestieren. Die Gegendemonstranten wollen sich demnach ab 13.30 Uhr unter dem Titel „Kein Platz für Nazis – egal aus welchem Land“ an der Sonnenallee / Innstraße treffen. 

In dem Aufruf heißt es: „Wir lassen nicht zu, dass die Neuköllner Sonnenallee als Kulisse für rechte und rassistische Hetze missbraucht wird. In den vergangenen Monaten wurden gerade in diesem Kiez wiederholt migrantische Einrichtungen und Läden Ziel von Hakenkreuz-Markierungen und faschistischen Angriffen.“