Köln - Der frühere Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist wegen dreier Überfälle auf Geldtransporter angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft Köln wirft ihm unter anderem versuchten Mord und besonders schweren Raub vor, teilte am Donnerstag das Landgericht Köln mit.

Im Mai war Drach von den Niederlanden an Deutschland ausgeliefert worden, nachdem er im Februar in einer Amsterdamer Wohnung festgenommen worden war. Seitdem sitzt er in Köln in Untersuchungshaft. Mitangeklagt ist ein 52 Jahre alter Niederländer, der ihm geholfen haben soll.

1996 hatte Drach zusammen mit Komplizen den Hamburger Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt. Dafür war er zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach seiner Verurteilung im Jahr 2000 wurde er am 21. Oktober 2013 aus dem Gefängnis entlassen und von seinem Anwalt aus der Strafanstalt abgeholt.

Vorwurf: Thomas Drach nahm Tod eines Geldboten billigend in Kauf

Nur wenige Jahre später habe er die nächsten Coups geplant. Der in Erftstadt bei Köln geborene Drach wird beschuldigt, 2018 und 2019 drei Überfälle auf Geldtransporte in Köln und Frankfurt/Main begangen haben. Der Vorwurf des versuchten Mordes bezieht sich laut Staatsanwaltschaft auf den Überfall in Frankfurt.

Dabei soll Drach dem Geldboten die Geldkassette entrissen haben und dann weggelaufen sein. Der Geldbote habe daraufhin einen Schuss auf den flüchtenden Drach abgegeben. Daraufhin habe dieser im Laufen auf den Geldboten geschossen und dabei dessen Tod billigend in Kauf genommen.

Als Mordmerkmale sieht die Staatsanwaltschaft Habgier und Verdeckungsabsicht. Zudem werden Drach angelastet: besonders schwerer Raub in drei Fällen, gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in zwei Fällen, Verstoß gegen das Waffengesetz, Urkundenfälschung und Brandstiftung in drei Fällen.