„Reflect“: Disney stellt erste Plus-Size-Filmheldin vor

Darf eine Ballerina „curvy“ sein? Disney zeigt die Geschichte von Bianca, einer jungen Balletttänzerin, die mit ihrer Körperimage kämpft. Das Netz ist begeistert – aber es gibt auch Kritik.

Bianca, die Protagonistin von „Reflect“
Bianca, die Protagonistin von „Reflect“Disney

Eine 13-Jährige, die davon träumt, Balletttänzerin zu werden, aber deren Körper nicht dem klassischen Bild der schlanken Ballerina entspricht: Das ist Bianca, die Protagonistin von „Reflect“ - Disney stellt mit ihr seine erste Plus-Size-Filmheldin in einem Animationsfilm vor.

Zu Beginn des Films ist Bianca ganz in ihrem Element, als sie vor dem Spiegel Point übt. Ihr Selbstvertrauen schwindet jedoch zusehends, als ihre Mitschülerinnen mit ihren eher konventionell akzeptierten „Tänzerinnenkörpern“ – also groß und dünn – in den Proberaum kommen, und sie sich zu ihnen an die Stange setzt. Als die Ballettlehrerin die Anweisung gibt: „Bauch einziehen, Hals lang machen!“, bricht Biancas Selbstvertrauen völlig zusammen: Der Spiegel droht zu zerbrechen und das Mädchen zu verschlingen. Doch dann erinnert sie sich, wie hart sie geübt hat und wie sehr sie das Tanzen liebt. Sie lässt ihre Unsicherheit über ihren Körper los und fängt an, sich mit Anmut wie eine erfahrene Tänzerin zu bewegen – und der Spiegel hört auf, eine Bedrohung zu sein.

„Reflect“ ist ein sechsminütiger Kurzfilm von Regisseurin Hillary Bradfield und Teil der Reihe „Short Circuit“ (zu Deutsch: Kurzschluss), eine laut Disney „experimentelle Sammlung an Kurzfilmen“, und ist auf Disney+ zu sehen.

Das zerbrochene Spiegelbild, das Bianca zu verschlingen droht, ist eine Metapher für das verzerrte Körperbild des jungen Mädchens – ein Zustand, den viele Frauen, auch nach der Pubertät kennen.

Disney bemüht sich seit Längerem, in der Repräsentation von gesellschaftlicher Vielfalt  inklusiver zu werden. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ein Disney-Film das Thema der weiblichen Verletzlichkeit aufgreift: Vor einigen Monaten hatte Disney-Pixar den Film „Red“ veröffentlicht, in dem sich die Heldin je nach Laune in einen riesigen roten Panda verwandelt - was symbolisch für das Thema Menstruation steht. Die Wahl einer Schwarzen Schauspielerin für die Hauptrolle in der Verfilmung „Arielle“ hatte vor einigen Monaten eine heftige Debatte ausgelöst, die teilweise rassistische Töne hatte.

Ähnlich wie die Schwarze Arielle löste Disneys Plus-Size-Ballerina sowohl Begeisterung als auch Kritik aus.

Der Kurzfilm sorgte bei Disney-Fans für viel Begeisterung. Viele erwachsene Frauen wurden an ihre eigene Kindheit erinnert und daran, wie sich wünschten, dass es diese Erzählung schon gegeben hätte, als sie noch Teenies waren und mit ihrer eigenen Körperdysmorphie und der Angst vor dem Urteil der anderen zu kämpfen hatten:  „Diesen Film hätte mein 16-jähriges Ich gebraucht, bevor sie den Ballettunterricht hingeschmissen hat, weil sie sich zu dick fühlte“, twitterte etwa eine Userin. 

Aber es gab auch Kritik: Viele User meinen, Disney fördere mit solchen Figuren einen ungesunden Lebensstil und würde das Problem der Fettleibigkeit in der Gesellschaft relativieren.