Berlin - Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hat vor gesellschaftlichen Rückschritten im Geschlechterverhältnis durch die Corona-Krise gewarnt. „Befürchtungen, dass es eine Wiederkehr veralteter Rollenbilder auf breiter gesellschaftlicher Front geben könnte und dass das mühsam Errungene in Gefahr gerät, müssen wir ernst nehmen“, sagte er anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März, der in Berlin zum dritten Mal Feiertag ist. „Und wir müssen solchen Entwicklungen entgegentreten.“ Es sei gerade jetzt wichtig, gleiche Rechte einzufordern. „Denn dass die Pandemie die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau nachteilig beeinflusst, ist offensichtlich.“

Auch die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wies darauf hin, die Corona-Krise habe in vielen Familien dazu geführt, dass Homeschooling, Kinderbetreuung und Haushalt häufig an den Frauen hängen blieben. „Noch schlimmer: Häusliche Gewalt, die sich vor allem gegen Frauen und Kinder richtet, hat in der Krise zugenommen.“ Frauenfeindlich motivierte Straftaten müssten als solche benannt und bundeseinheitlich erfasst werden. „2020 war ein schwieriges Jahr für uns alle“, so die Grünen. „Doch Frauen hat die Corona-Krise besonders getroffen, auch deshalb, weil sie vermehrt in der Pflege oder in pädagogischen Berufen arbeiten, wo die ohnehin häufig prekären Arbeitsbedingungen durch das Virus und seine Auswirkungen noch erschwert wurden.“

Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales erinnerte zum Frauentag an geflüchtete Frauen in Berlin. In der Öffentlichkeit würden sie oft als passive Begleiterinnen männlicher Migranten wahrgenommen. Das verdecke, dass sich viele geflüchtete Frauen aktiv in die Gestaltung von Politik und Gesellschaft einbringen wollten. „Ich sehe die Kraft und die Fähigkeit der geflüchteten Frauen, ihren und den Alltag ihrer Familien neu zu organisieren“, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). „Frauen mit Flucht- und Gewalterfahrung brauchen die solidarische Unterstützung unserer Gesellschaft, um ihre familiäre und berufliche Situation zu stärken.“