Regierung: Briten müssen nicht Gas und Strom sparen

Im Gegensatz zu Deutschland werden die Bürger in  Großbritannien nicht zum Energiesparen aufgefordert. Organisierte Blackouts könnten trotzdem drohen.

Die britische Premierministerin Liz Truss
Die britische Premierministerin Liz Trussdpa/Jacob King

Anders als in Deutschland hat die britische Regierung ihre Bürger nicht aufgefordert, Strom und Gas zu sparen. „Es ist nicht unsere Aufgabe, den Menschen vorzuschreiben, wie sie leben sollen“, sagte Klimaminister Graham Stuart dem Times Radio. Der Spiegel hatte darüber berichtet. 

Es sei nicht damit zu rechnen, dass es zu Stromausfällen komme. Im August wurde allerdings noch davor gewarnt, dass es auf der Insel zu „organisierten Stromausfällen“ kommen könnte – sowohl in der Industrie als auch in privaten Haushalten. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge ist dies das von der Regierung berechnete „Worst-Case-Szenario“.

Briten fürchten hohe Gas- und Stromrechnungen

„In allen zentralen Szenarien wird es uns gut gehen“, betonte der Klimaminister. Auf die Frage, ob die Briten weniger Energie verbrauchen sollten, sagte Stuart: „Das ist keine Botschaft, die wir senden.“

Trotzdem ist es möglich, dass die Briten im kommenden Winter sparsam mit Strom und Gas umgehen. Viele fürchten hohe Rechnungen. Zwar wurden die Energiepreise von der neuen Premierministerin Liz Truss gedeckelt, doch Experten warnen, dass dies nicht reichen könnte.

Erst am Freitag hatte der Verband der Gesundheitsdienstleister NHS Confederations vor gesundheitlichen Risiken für große Teile der Bevölkerung gewarnt und die Regierung zum Handeln aufgerufen. Die versprochene Hilfe von 400 Pfund pro Haushalt reiche bei Weitem nicht aus, um einen großen Teil der Bevölkerung vor dem Abrutschen in die Brennstoff-Armut („fuel poverty“) zu bewahren – das bedeutet, dass sie mehr als zehn Prozent ihres Einkommens für Energiekosten ausgeben müssen.

Der Ansatz Großbritanniens steht im Gegensatz zu dem der EU. Dort einigten sich die Länder darauf, den Gasverbrauch freiwillig um 15 Prozent zu senken. Politiker fordern die Bürger auf, sparsam zu sein. Zudem werden in öffentlichen Gebäuden Heizung und Beleuchtung heruntergefahren.