Touristen im Parc de la Mar in Palma de Mallorca.
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BerlinDer Reisekonzern Tui wird nach der Reisewarnung für fast ganz Spanien die ab Sonnabend geplanten Pauschalreisen dorthin absagen. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher der dpa sagte. Reisenden, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen. Die Kanaren sind von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ausgenommen.

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot, wirkt aber abschreckend, und das ist auch beabsichtigt. Sie ermöglicht es Reisenden zudem, Buchungen kostenlos zu stornieren. Spanien mit Ausnahme der Kanaren ist zugleich als Risikogebiet eingestuft worden. Das bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben.

Touristen in Spanien wird der Ausgeh- und Feier-Spaß aber ohnehin verdorben: Der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa kündigte am Freitag neue drastische Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus an. Das Nachtleben in Spanien ist derzeit landesweit unterbunden, das Rauchen im öffentlichen Raum verboten, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. Außerdem dürfe Alkohol nicht mehr im Freien getrunken werden, sagte der Minister nach einer Krisensitzung mit den Vertretern der Regionen in Madrid. Letzteres zielt vor allem auf die bei jungen Leuten beliebten feuchtfröhlichen Parties nachts am Strand oder in Parks.

Für die spanische Wirtschaft ist die Entscheidung aus Berlin eine weitere Hiobsbotschaft. Mehr als zwölf Prozent trägt die Tourismusbranche in normalen Jahren zum Bruttoinlandsprodukt Spaniens bei. Auf Mallorca liegt der Anteil sogar jenseits der 30 Prozent. Davon dürfte dieses Jahr nicht viel übrig bleiben. Und viele der landesweit 2,5 Millionen vom Tourismus abhängigen Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Pro Tag werden zurzeit in Spanien mit seinen gut 47 Millionen Einwohnern fast 3000 Neuinfektionen registriert. Das sind wieder so viele wie im April.