Berlin - Sorge um die künftige Altersvorsorge: Die Rentenlücke für Berlinerinnen und Berliner beträgt im Extremfall mehr als 2.000 Euro im Monat. Dabei gilt: Je jünger und je mehr man verdient, umso höher ist später die Rentenlücke. Für Frauen ist der Fehlbetrag dabei in der Regel noch höher. Das zeigt eine aktuelle Berechnung des digitalen Vermögensverwalters growney für die Berliner Zeitung.

Für heute 40-Jährige mit einem Bruttoverdienst von 3.500 Euro beträgt die monatliche Rentenlücke demnach knapp 1.500 Euro (Frauen) bzw. 1.280 Euro (Männer). Der Fehlbetrag steigt bei einem Gehalt von 4.500 Euro sogar auf rund 1.790 Euro (Frauen) bzw. 1.510 Euro (Männer). „Vielen Berlinern ist nicht bewusst, dass die Rentenlücke später sehr hoch sein wird“, sagt Thimm Blickensdorf von der Geschäftsleitung growneys. Daher ist es nach seinen Aussagen „zwingend nötig, privat vorzusorgen”. 

Wie hoch ist die Rentenlücke?

Um die Höhe der voraussichtlichen Rente zu berechnen, werden im Netz diverse Rentenrechner angeboten. Zudem bietet das Bundeministerium für Arbeit und Soziales Informationen rund um das Thema Rente. Auch zu dem am 1. Januar 2021 in Kraft getretenen Gesetz zur Grundrente finden sich hier Informationen

Zwei wesentliche Faktoren beeinflussen laut dem Experten Blickensdorf die Höhe der künftigen Rentenlücke: Erstens die zunehmende Besteuerung. Ab 2040 müssen Renten in Deutschland zu 100 Prozent versteuert werden. Zweitens wird das Rentenniveau weiter sinken. Aktuell liegt es bei 48 Prozent. Das bedeutet: Wer genau entsprechend des deutschen Durchschnittlohns verdient (knapp 4.000 Euro), bekommt im Rentenalter 48 Prozent dieses Gehalts als Rente. Das aktuelle Niveau ist aber nur bis 2024 festgeschrieben und dürfte danach weiter sinken.

„Zwar braucht man im Alter weniger Geld. Aber 70 oder 75 Prozent des letzten Nettolohns sind schon eine Größe, an der man sich für den eigenen Ruhestand orientieren muss“, sagt Experte Thimm Blickensdorf.

Wie kann ich die Rentenlücke schließen?

Die Untersuchung des Berliner FinTechs growney zeigt aber auch: Wer rechtzeitig Geld zurücklegt, hat gute Chancen, seine Rentenlücke zu schließen. Ein heute 30jähriger Mann mit 2.500 Euro Bruttogehalt kann schon mit 102 Euro im Monat eine private Zusatzrente in Höhe der Rentenlücke bis zu seinem 85. Lebensjahr finanzieren. Für eine Frau sind es 104 Euro.

„Entscheidend ist, dass das Geld nicht mit Minizinsen auf dem Sparbuch oder Girokonto liegt“, betont Blickensdorf. Geeigneter sei ein Sparplan mit Indexfonds, sogenannten ETFs. Damit lässt sich von der Entwicklung der weltweiten Kapitalmärkte profitieren, ohne mit Einzelaktien spekulieren zu müssen.

Hohe Sparraten sind dagegen erforderlich, wenn nicht mehr allzu viel Zeit bis zur Rente bleibt. Mit 60 Jahren und einem Bruttogehalt von 2.500 Euro im Monat müssten laut den Experten für eine Zusatzrente in Höhe der Rentenlücke monatlich knapp 940 Euro (Frauen)  oder 730 Euro (Männer) zurückgelegt werden.

Der höhere Sparbetrag bei Frauen ergibt sich vor allem dadurch, dass sie meist weniger Beitragsjahre haben und häufiger Teilzeit arbeiten. Mit 50 Jahren wird das Ziel, die Rentenlücke durch eine private Zusatzrente zu schließen, erreichbarer. Frauen müssen knapp 330 Euro im Monat aufbringen, Männer rund 260 Euro.

Änderung beim Soli: Günstiger Zeitpunkt, um für eine Zusatzrente zu sparen

Blickensdorf: „Es hilft ja auch schon, wenn man so viel zurücklegt wie möglich, selbst wenn die Rentenlücke dann nicht komplett geschlossen, aber zumindest abgemildert wird.“ Aktuell sei dafürt ein besonders günstiger Zeitpunkt: Ein Großteil der Arbeitnehmer habe durch die Änderungen beim Solidaritätszuschlag seit Januar mehr Nettogehalt. „Die Steuersenkung ist gewissermaßen eine geschenkte Zusatzrente, wenn man das Geld vernünftig zurücklegt“, so Blickensdorf.

Bei solchen Sparplänen lässt sich der monatliche Betrag zudem jederzeit problemlos anpassen, also erhöhen, verringern oder aussetzen. Da ETFs börsentäglich verkauft werden können, kann man im Notfall also jederzeit auf das Geld zugreifen.

Bei der Berechnung wurden die aktuellen Rentenzahlen für Berlin verwendet (2018, Quelle Deutsche Rentenversicherung Bund). Es wird eine jährliche Veränderung von Renten und Gehältern um 1,33 Prozent angenommen (entspricht der durchschnittlichen Inflationsrate der vergangenen zehn Jahr). Das Rentenalter liegt für Frauen und Männer jeweils gleich, entsprechend der Regeln für die gesetzliche Rente. Ab Jahrgang 1964 liegt es bei 67 Jahren, für heute 60-Jährige bei 66,5 Jahren. Zwischen Ost und West wurde in der Berechnung nicht unterschieden. Zwar gibt es im Osten mehr Rentenpunkte pro Beitragsjahr (aktuell für 2021: 1,0560), damit soll aber ausgeglichen werden, dass im Osten immer noch weniger verdient wird.