Ricarda Lang: „Wir werden keine neuen Brennstäbe besorgen“

Die Grünen-Chefin schließt einen Wiedereinstieg in die Atomkraft aus. Einem Streckbetrieb werden die Grünen aber wohl zustimmen.

Ricarda Lang am Brandenburger Tor in Berlin.
Ricarda Lang am Brandenburger Tor in Berlin.dpa

Die Grünen werden nach Einschätzung ihrer Parteichefin Ricarda Lang mit breiter Mehrheit dem geplanten Streckbetrieb der Atommeiler Isar 2 und Neckarwestheim zustimmen. „Ich gehe davon aus, dass der Parteitag diesen Weg der Einsatzreserve mit großer Geschlossenheit mitgehen wird“, sagte Lang dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Freitagsausgaben) mit Blick auf die für Mitte Oktober geplante Bundesdelegiertenkonferenz ihrer Partei.

„Wenn es notwendig sein sollte, werden wir Isar 2 und Neckarwestheim 2 nutzen, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Wenn es nicht notwendig ist, nicht“, sagte Lang. Am Dienstag hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erklärt, er halte den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim im ersten Quartal 2023 für notwendig.

„Atomtechnologie ist keine Zukunftstechnologie“

Zur Begründung führte er die Versorgungssituation in Frankreich an, wo über die Hälfte der Atomkraftwerke nicht am Netz seien. Dadurch fehlten Strommengen, die Deutschland zum Teil mit Strom aus Gaskraftwerken ausgleiche. Die derzeitigen Probleme der französischen Atomkraftwerke zeigten erneut, dass die Atomtechnologie keine Zukunftstechnologie sei, sagte Lang weiter. Eine Laufzeitverlängerung, wie sie der Koalitionspartner FDP und die Union fordern, schloss die Grünen-Chefin aber aus: „Wir werden keine neuen Brennstäbe besorgen, einen Wiedereinstieg in die Atomkraft wird es nicht geben.“

Habeck hatte sich mit den Betreibern der beiden Atomkraftwerke auf ein Konzept für den Reservebetrieb verständigt. Demnach sollen Isar 2 und Neckarwestheim nach dem Ende ihrer regulären Laufzeit am 31. Dezember in eine Einsatzreserve überführt werden und dann bereit stehen, um einen drohenden Stromnetzengpass in Süddeutschland zu verhindern. Das dritte noch am Netz befindliche Kraftwerk, Emsland in Niedersachsen, würde demnach wie geplant zum Jahresende abgeschaltet.