Die Bundestagsabgeordneten Ricarda Lang und Omid Nouripour sind beim Online-Parteitag der Grünen am Samstag zur neuen Parteivorsitzenden gewählt worden. Die 28-jährige Lang erhielt am Samstag 75,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der 46-jährige Nouripour erhielt am Samstag 621 von 752 abgegebenen Stimmen und setzte sich damit gegen zwei Mitbewerber durch. Das Ergebnis muss noch per Briefwahl bestätigt werden, was bis Mitte Februar geschehen soll.

In ihrer Bewerbungsrede für den Co-Parteivorsitz der Grünen hatte Lang betont, ihr seien praktische Verbesserungen wichtiger als unrealistische Ideale. Die Regierungsbeteiligung sei für die Grünen eine riesige Chance, auch wenn dabei Kompromisse notwendig seien, sagte Lang am Samstag bei einem weitgehend digitalen Parteitag. „Wir machen Politik doch nicht nur, um uns auf die Schulter zu klopfen“, sagte Lang. „Regieren ist doch keine Strafe, das ist eine riesengroße Chance.“ Es gehe darum zu gestalten, nicht „mit einer weißen Weste“ am Rand zu stehen.

„Bei der Corona-Krise und auch bei der Klimakrise gibt es kein Abwarten“, fügte Lang hinzu. Auch die Verbesserung der Lage von Familien mit geringem Einkommen sei ihr ein wichtiges Anliegen.

Lang wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet. Die 28-Jährige gehörte dem Bundesvorstand der Partei bisher als Stellvertreterin an. Wegen einer Corona-Infektion war sie in Berlin nicht vor Ort, sondern wurde per Internet von zu Hause zugeschaltet. Laut Satzung muss dem Führungsduo bei den Grünen mindestens eine Frau angehören. Für den einer Frau vorbehaltenen Vorsitzposten gab es diesmal keine anderen Kandidatinnen.

Nouripour: Wir sind die Unbeugsamen

Gemeinsam mit Ricarda Lang will Omid Nouripour erreichen, dass die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl eine realistische Chance auf den Einzug ins Kanzleramt haben. Sein Ziel sei es, die Partei voranzubringen, um „wieder in der K-Frage mitspielen zu können“, sagte der Außenpolitiker in seiner Bewerbungsrede für den Co-Parteivorsitz. Der 46-Jährige ordnet sich dem Realo-Flügel zu.

Er lobte junge Parteikolleginnen, die sich von dem gegen sie gerichteten Hass politischer Gegner nicht unterkriegen ließen. „Wir sind die Unbeugsamen!“, rief Nouripour den größtenteils digital zugeschalteten Delegierten zu. Mit seiner Kandidatur wolle er Menschen mit Migrationsgeschichte motivieren, sich politisch zu engagieren, sagte Nouripour, der im Iran geboren ist.