Berlin - Intensivpfleger Ricardo Lange hält offenbar wenig von der Diskussion um die Behandlung von Ungeimpften auf Intensivstationen. Gegenüber dem Nachrichtenportal Watson sagte der Berliner: „Es gibt einen Pflege-Kodex, der besagt, dass ich als Pflegekraft im Krankenhaus jeden Patienten gleich zu behandeln habe, ungeachtet seiner Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit. Jeder ist gleich.“

Wer anfange, einen Patienten aufgrund seiner politischen oder persönlichen Einstellung anders zu behandeln, haben den falschen Beruf, so Lange. Für ihn liege auf der Intensivstation immer ein kranker Mensch vor ihm, der Hilfe brauche. Der 40-Jährige, der oft zu Gast in TV-Talkshows ist und viele Sympathien in der Bevölkerung hat, betont: „Wir behandeln ja auch Gewalttäter, wenn sie verletzt sind – warum also eine solche Debatte bei Ungeimpften? Es ist nicht meine Aufgabe, Menschen anzuklagen. Darf es auch nicht sein.“

Ricardo Lange kritisiert von Politikern ohne Expertise befeuerte Debatte

Der Pfleger war zuvor gefragt worden, ob auf seiner Station Fälle von „uneinsichtigen Ungeimpften“ Thema seien. Lange, dem auf Twitter mehr als 50.000 Menschen folgen, kritisiert auch die Wortmeldungen zur Pandemie von Menschen, die über keinerlei Expertise verfügen. Die gebe es sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in der Politik. 

„Es ist nicht Aufgabe der Politiker über eine medizinische Substanz aufzuklären“, sagt Lange. Tun sie dies doch, werde die Debatte „schnell unsachlich“. Die Menschen werden Langes Ansicht nach durch die Diskussion, die durch Äußerungen von Politikern mit mangelhafter Fachkenntnis in Sachen Corona entsteht, verunsichert. Der Pfleger fordert Politiker dazu auf, es Ärzten zu überlassen, ihren Patienten zu erklären, „warum ihnen das Vakzin nützen kann und was die Nebenwirkungen sind“.