Ein Polizeieinsatz in einem Armenviertel im Norden von Rio de Janeiro hat sich zu einem der tödlichsten in der Geschichte der brasilianischen Metropole entwickelt. Dabei wurden mindestens 22 Menschen getötet, wie die Polizei laut der Tageszeitung „O Globo“ mitteilte. Mindestens 13 der Toten sollen demnach Kriminelle gewesen sein. Weitere Opfer hätten noch nicht identifiziert werden können.

Eine Bewohnerin wurde Medienberichten zufolge durch Querschläger getroffen und getötet. Zusammen mit der Spezialeinheit Bope hatte die Polizei am Dienstagmorgen einen Einsatz in dem Armenviertel Vila Cruzeiro gestartet, um Drogendealer aufzuspüren. Laut Polizei sollten sich dort 50 Kriminelle des Drogenkartells „Comando Vermelho“ („Rotes Kommando“) versteckt haben.

Präsident Jair Bolsonaro gratulierte der Polizei via Twitter zu ihrem „erfolgreichen Einsatz“. Mindestens 20 Kriminelle seien „neutralisiert“ worden. Nach ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll die Polizei angegriffen worden sein und das Feuer erwidert haben. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Menschenrechtler kritisieren schon seit langen die Brutalität der Polizei in Rio. Im Februar gab es schon einmal einen gewaltsamen Polizeieinsatz in Vila Cruzeiro mit acht Toten. Vor einem Jahr kamen in dem Armenviertel Jacarezinho bei einer Polizeioperation 27 Menschen ums Leben. Das war der bislang tödlichste Polizeieinsatz in Rio.