Berlin - Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat deutlich gemacht, dass er für sich selbst den Impfabstand bei Astrazeneca nicht verkürzen wird. „Natürlich werde ich mich erst nach zwölf Wochen impfen lassen“, sagte Wieler mit Blick auf die bei ihm noch ausstehende Zweitimpfung mit dem Vakzin. „Je länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist, desto besser ist der Schutz“, sagte er zur Begründung.

Wieler reagierte damit auf die Entscheidung der Bundesregierung, es Ärzten freizustellen, den Impfabstand bei Astrazeneca von derzeit zwölf auf bis zu vier Wochen zu verkürzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verwies dafür auf „lebenspraktische Erwägungen“. So gebe es den Wunsch vieler Menschen, nicht so lange auf die Zweitimpfung warten zu müssen, um bereits für ihren Urlaub eine Bescheinigung über einen vollen Impfschutz zu bekommen.

Auch Wieler stellte klar, dass die Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca eine Zweitimpfung ab einem Mindestabstand von vier Wochen zulässt. Umgekehrt räumte auch Spahn ein, dass das Präparat „je länger das Intervall desto wirksamer“ sei. Mit Blick auf die Impfkampagne insgesamt gebe es jedoch zugleich das „große Interesse, dass möglichst viele Menschen sich impfen lassen“.

Bund und Länder haben Astrazeneca für alle freigegeben

Für die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna empfehlen die Hersteller einen kürzeren Impfabstand von drei beziehungsweise vier bis sechs Wochen. Die Wirksamkeit dieser Impfstoffe ist höher als die des Vakzins von Astrazeneca. Um die Attraktivität dieses Impfstoffs gleichwohl zu erhöhen, hatten sich Bund und Länder am Donnerstag auch darauf verständigt, Astrazeneca-Impfungen ohne Beachtung der geltenden Priorisierungen ab sofort für alle Menschen freizugeben. Hintergrund ist der weiterhin bestehende Engpass bei den mRNA-Impfstoffen.

Die Impfquote in Deutschland stieg nach Angaben des RKI vom Freitag bei den Erstimpfungen auf 31,5 Prozent der Bevölkerung und beim vollständigen Impfschutz auf 8,8 Prozent. Insgesamt 26,2 Millionen Menschen erhielten zumindest eine erste Corona-Schutzimpfung. Einen deutlichen Anstieg gab es vor allem bei den Zweitimpfungen.