Berlin - Die Menschheit muss sich nach Ansicht des Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, auf ein dauerhaftes Leben mit Corona einstellen. „Ein Virus, das eine Menge Tierarten infizieren kann, das lässt sich nicht ausrotten“, sagte Wieler am Montag anlässlich des 127. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Stuttgart. Generell müsse man Tierhaltung und Tierhandel in den Griff kriegen, sagte der Tierarzt mit Blick auf die Ausbreitung von Krankheiten. Gerade der illegale Tierhandel sei ein Problem.

Wieler warnt auch vor Folgen des Klimawandels

Nach Angaben der WHO handelt es sich bei rund 60 Prozent der Infektionskrankheiten beim Menschen um sogenannte Zoonosen, also um Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen wurden. Bei neu aufkommenden Infektionskrankheiten betrage der Anteil laut einer britischen Studie von 2001 sogar 75 Prozent. Von den Zoonosen beim Menschen werden rund ein Sechstel von Viren ausgelöst, je ein Drittel von Bakterien und Parasiten sowie rund zehn Prozent von Pilzen.

Wieler warnte auch vor den Folgen des Klimawandels. Schäden wie Hitzestress, Probleme mit psychosozialer Gesundheit oder Hautkrebs nähmen schon jetzt zu, führte er aus. Aber auch von Tieren wie etwa Mücken und Zecken übertragene Krankheiten würden in Folge von veränderten Biotopen und weniger Artenvielfalt häufiger. Probleme erwarte er zudem, wenn der Klimawandel die Versorgung mit Trinkwasser erschwere. Auch eine verminderte Qualität von Badegewässern führte Wieler als Beispiel an. Dies führe etwa zu Magen-Darm-Problemen.