Berlin -  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, warnen vor einem „bitteren Dezember“. Zu den bislang angebotenen Impf- und Testmöglichkeiten sagte Spahn „mit der Erfahrung aus drei Corona-Wellen, das ist alles richtig und wichtig, aber das reicht so alles nicht, jedenfalls nicht mehr“. Nach Aussage von RKI-Chef Wieler werden jetzt auch die Quarantäneregelungen für Geimpfte überdacht. Die bislang geltende Empfehlung des RKI, dass vollständig geimpfte Personen, die Kontakt mit nachweisbar Infizierten hatten, nicht in Quarantäne müssen, steht laut Wieler auf dem Prüfstand. 

Auf der Seite des RKI wird die Frage, ob zweimalig geimpfte Personen bei Kontakt mit Corona-Infizierten in Quarantäne gehen müssen, bislang so beantwortet: „Vollständig gegen COVID-19 geimpfte Personen sind nach Exposition zu einem bestätigten SARS-CoV-2-Fall von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen, ebenso wie Personen, die in der Vergangenheit eine PCR-bestätigte und symptomatische COVID-19-Erkrankung durchgemacht haben („Genesene“) und mit einer Impfstoffdosis geimpft sind.“ Ausnahmen bislang: Wenn die an Corona erkrankte Person mit den Virusvarianten Beta (B.1.351) oder Gamma (P.1) infiziert ist, rät das RKI auch bei geimpften und genesenen Kontaktpersonen zu einer Quarantäne. Die Virus-Varianten Alpha und Delta fallen aber nicht darunter, da sie in Deutschland bereits stark verbreitet sind.

Wieler: „Wir überlegen momentan, ob wir das ändern“

Wieler antwortete bei der Bundespressekonferenz auf die Frage, warum das RKI diese Empfehlung in ihrer jetzigen Form noch gebe und und ob diese Empfehlung nicht geändert werden, dies sei „eine sehr gute Frage“. Man würde „tatsächlich momentan überlegen, ob wir das ändern“.

Auch in anderen Ländern wird darüber bereits nachgedacht. Der österreichische Epidemiologe Gerald Gartlehner sagte zu dem Thema laut ORF: „Quarantäne für Geimpfte könnte deswegen notwendig sein, weil wir von kürzlich publizierten Studien wissen, dass Geimpfte auch anstecken können.“ Es habe sich gezeigt, dass „Geimpfte, die infiziert sind, kurzzeitig auch eine Spitzenviruslast haben, die sehr vergleichbar ist mit Ungeimpften“. Das geht dann zwar „sehr schnell wieder zurück. Aber kurzzeitig können sie auch sehr ansteckend sein.“

In der sächsischen Stadt Dresden müssen sich Genesene und Geimpfte nach Kontakt mit an Corona erkrankten Personen derzeit nicht in Quarantäne begeben. Allerdings sind sie verpflichtet, „innerhalb von drei Tagen dem Gesundheitsamt den Nachweis über eine vollständige Impfung oder die vorangegangene Infektion vorzugsweise per E-Mail an gesundheitsamt-infektionsschutz@dresden.de zuschicken“, so die Behörden.

Trotz der aktuell noch geltenden Befreiung einer Quarantäne sind geimpfte Kontaktpersonen „verpflichtet, bis zum 14. Tag nach dem letzten Kontakt zum positiv Getesteten beziehungsweise für Hausstands-Angehörige nach dem Tag des positiven Testergebnisses ein Selbstmonitoring (Symptome, Körpertemperatur) durchzuführen“. In Berlin müssen genesene oder geimpfte Personen nach einem direktem Kontakt mit einem bestätigten Corona-Fall nicht in Quarantäne, wenn sie keine Symptome zeigen. Anders ist das, wenn der Verdacht auf eine besorgniserregende Virusvariante vorliegt, die in Deutschland noch nicht verbreitet ist.