Rock’n’Roll-Legende Jerry Lee Lewis ist tot

Mit „Whole Lotta Shakin’ Goin’ On“ und „Great Balls of Fire“ feierte Jerry Lee Lewis Welterfolge. Nun ist „The Killer“ mit 87 Jahren gestorben.

Der amerikanische Rockmusiker Jerry Lee Lewis ist im Alter von 87 Jahren gestorben. 
Der amerikanische Rockmusiker Jerry Lee Lewis ist im Alter von 87 Jahren gestorben. AP/Dima Gavrysh

Die Rock’n’Roll-Legende Jerry Lee Lewis ist tot. Der Musiker starb im Alter von 87 Jahren in seinem Haus im US-Bundesstaat Mississippi, wie sein Agent am Freitag mitteilte. Er starb demnach eines natürlichen Todes. Seine siebte Ehefrau Judith Coghlan Lewis sei an seiner Seite gewesen.

Jerry Lee Lewis gilt als einer der einflussreichsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte. Er gehörte neben Elvis Presley und anderen zu den bekanntesten Vertretern des Rock’n’Roll. Songs wie „Whole Lotta Shakin’ Goin’ On“, „Great Balls of Fire“ und „Breathless“ machten ihn zum Weltstar. Das Fachblatt Rolling Stone listete Jerry Lee Lewis auf Rang 24 der „100 größten Künstler aller Zeiten“. 

Jerry Lee Lewis bei einem Konzert im Madison Square Garden 1975.
Jerry Lee Lewis bei einem Konzert im Madison Square Garden 1975.AP/Rene Perez

Jerry Lee Lewis: Noch im hohen Alter auf der Bühne

Der 1935 im US-Bundesstaat Louisiana geborene Lewis mit dem Spitznamen „The Killer“ hatte noch im hohen Alter auf der Bühne gestanden und seine Fans begeistert. Zuletzt hatte er allerdings, unter anderem nach einem Schlaganfall 2019, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Wenn er dennoch auf die Bühne trat, wirkte er sehr geschwächt. Vor rund einer Woche war auf dem Instagram-Profil von Lewis ein Bild veröffentlicht worden, auf dem ihm Musiker Kris Kristofferson die Urkunde über die Aufnahme in die Ruhmeshalle des Country überreicht. Lewis liegt auf dem Bild im Krankenbett mit Medikamenten auf dem Nachttisch und wirkt geschwächt.

Erst am Mittwoch hatte das Portal TMZ Jerry Lee Lewis fälschlicherweise für tot erklärt. Zwei Tage später ist es nun wahr: Der Sänger und Pianist ist gestorben. 

Jerry Lee Lewis: Ein wildes Rockerleben

Jerry Lee Lewis war eine wilde Mischung aus Jazz, Country, R&B und Boogie. Er war unter den ersten, die einen Platz in der Ruhmeshalle des Rock bekamen. Zu seinen Fans gehörten auch zahlreiche berühmte Musiker, die von seiner Musik beeinflusst wurden: Beatles-Sänger John Lennon soll ihm beispielsweise bei der ersten Begegnung die Füße geküsst haben.

Jerry Lee Lewis 1980 in Hamburg. 
Jerry Lee Lewis 1980 in Hamburg. dpa/Werner Baum

Das Rockerleben von Lewis, Spross einer Familie christlicher Fundamentalisten, war gezeichnet von Drogen, Gewalt, Sex, Schulden und Tod. Der Rocker mit dem strohblonden, ins Gesicht hängenden Haar war berüchtigt dafür, Konzerte in letzter Minute abzusagen. Meistens „pumpte“ Jerry Lee sein Piano im Stehen, setzte oder stellte sich auch darauf. In mehreren Live-Auftritten zündete er den Flügel nach getaner Arbeit an.

Kaum weniger bewegt als seine Laufbahn war Lewis' Privatleben. Ein Sohn armer Bauern, der Bruder früh gestorben, war er selbst am Ende sieben Mal verheiratet, das erste Mal mit 16 Jahren. Gerade volljährig wurde er Vater, allerdings schon mit der zweiten Frau. Insgesamt hatte er sechs Kinder, von denen zwei schon vor ihm starben. 

Ehe mit 13-jähriger Großcousine führte zum Karriereknick

Ehe Nummer drei wurde ihm beruflich zum Verhängnis. Er war 22, als er seine 13-jährige Großcousine Myra Gale Brown heiratete. In Großbritannien löste dieses Verhalten einen Sturm der Entrüstung aus und zwang Lewis, seine Tournee am dritten Abend abzubrechen. In den USA sollte er nie wieder einen Top-20-Hit landen.

Der gemeinsame Sohn von Lewis mit Myra ertrank 1962 dreijährig im Pool. Das gleiche Schicksal ereilte Ehefrau Nummer vier. Ein 19-jähriger Sohn starb 1973 bei einem Autounfall, seine fünfte Ehefrau 1983 offenbar an einer Überdosis Heroin. Lewis' bewegtes Leben wurde 1986 mit Dennis Quaid in der Hauptrolle unter dem Titel „Great Balls of Fire“ verfilmt.

Angst, wegen seiner Musik zur Hölle verdammt zu sein, hatte Lewis immer wieder zu Protokoll gegeben. „Ich war immer besorgt, ob ich im Himmel oder der Hölle landen werde“, sagte er 2015 dem britischen „Guardian“. „Ich sorge mich weiterhin, abends vor dem Zubettgehen. Es ist eine sehr ernste Situation. Wohin komme ich nach meinem letzten Atemzug?“