London - Auf einer Baustelle für eine neue Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke in Großbritannien sind Archäologen auf Relikte aus der Römerzeit gestoßen. Bei den Ausgrabungen in Stoke Mandeville seien drei Steinstatuen und andere Artefakte entdeckt worden, teilten die Forscher am Freitag mit. Sie förderten den Kopf und den Rumpf von zwei Erwachsenenstatuen zutage sowie den Kopf einer Statue, die ein Kind darstellen soll. Unter einer mittelalterlichen Kirche in dem nordwestlich von London gelegenen Ort vermuten die Archäologen ein römisches Mausoleum.

„Die Statuen sind außergewöhnlich gut erhalten, und man bekommt wirklich eine Vorstellung von den Menschen, die sie darstellen“, sagte eine der Grabungsleiterinnen, Rachel Wood. Es sei eine „einzigartige Erfahrung, buchstäblich in die Gesichter der Vergangenheit zu schauen“.

Viele Artefakte bei Bau von umstrittenem Bahnprojekt gefunden

Die Arbeiten am Bahnprojekt High Speed Two (HS2) hatten im April 2020 begonnen. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke soll die Hauptstadt London mit Zielen in Mittel- und Nordengland verbinden. Das Großprojekt ist wegen der hohen Kosten, die sich auf über 112 Milliarden Euro summieren könnten, umstritten. Sorgen bereiten auch die möglichen Auswirkungen des gigantischen Bauvorhabens auf die Umwelt.

Nach Angaben des Archäologen Mike Court, der im Auftrag der Projektgesellschaft High Speed Two die Ausgrabungen koordiniert, stellen die in Stoke Mandeville entdeckten Statuen nur einen kleinen Teil der „unglaublichen Artefakte“ dar, die bei den Bauarbeiten gefunden wurden.

Die Ausgrabungsstücke aus Stoke Mandeville, zu denen auch ein äußerst gut erhaltener römischer Glaskrug und Tongefäße gehören, sollen nun in einem Labor gesäubert und untersucht werden. Ihr endgültiger Bestimmungsort steht noch nicht fest.