Die verschärften Sanktionen des Westens gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs haben die russische Währung zum Absturz gebracht und die Zentralbank zu drastischen Maßnahmen veranlasst. Der Rubel brach am Montag ein und erreichte neue Rekordtiefstände zum Dollar und zum Euro. Die russische Zentralbank verdoppelte zur Stärkung ihrer Währung den Leitzins – und wurde selbst mit weiteren westlichen Sanktionen belegt.

Der Rubel stand zum Handelsbeginn am Montagmorgen bei knapp 101 zum Dollar und bei gut 113 zum Euro – verglichen mit 83,50 beziehungsweise 93,50 vor Russlands Angriff auf das Nachbarland. Das war eine direkte Reaktion auf die Ankündigung aus Brüssel, eine Reihe russischer Banken aus dem internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen und Russlands Zentralbank zu sanktionieren.

Wert der russischen Währung sinkt

Damit könnten die betroffenen Banken nicht mehr mit Geldhäusern in anderen Ländern kommunizieren, was Zahlungen und Warenströme empfindlich treffen dürfte. Der Zentralbank soll es erschwert werden, mit internationalen Finanzgeschäften den Rubel zu stützen. Das alles schwächt die Nachfrage nach der russischen Währung massiv und lässt ihren Wert sinken.

Schon in den vergangenen Tagen war der Rubel wegen des Krieges eingebrochen. Es bildeten sich seitdem Schlangen vor russischen Bankautomaten. Die Menschen versuchen eilig, ihre ersparten Rubel abzuheben und sie in ausländische Devisen umzutauschen, bevor die Kurse weiter fallen.

Zentralbank hebt Leitzins um 10,5 Punkte auf 20 Prozent

Russlands Zentralbank reagierte nun mit einer Anhebung des Leitzinses um 10,5 Punkte auf 20 Prozent, um „finanzielle Stabilität und Preisstabilität zu gewährleisten und die Ersparnisse der Bürger vor Wertminderung zu schützen“. Weitere Anpassungen schloss sie nicht aus. Russische Exportfirmen müssen zudem nach Anordnung des Kreml 80 Prozent ihrer Einnahmen in Rubel umtauschen und Bürgerinnen und Bürgern des Landes wurde es untersagt, Devisen ins Ausland zu transferieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin wollte noch am Montag mit seinen Ministern über die Folgen der Strafmaßnahmen für die Wirtschaft seines Landes beraten. „Die Sanktionen sind hart, sie bereiten Probleme“, räumte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ein. „Aber Russland hat das nötige Potenzial, um den Schaden auszugleichen.“ Putin werde sich mit „Wirtschaftsfragen“ befassen und wichtige Minister treffen.

Europäische Firmen kappen Zusammenarbeit mit Russland

Unterdessen kappten weitere europäische Firmen ihre Zusammenarbeit mit Russland, darunter Daimler Truck und der norwegische Energiekonzern Equinor. Die USA verboten zudem nach Angaben des Finanzministeriums mit sofortiger Wirkung alle Geschäfte mit der russischen Zentralbank. Betroffen sind demnach alle Konten, welche die russische Zentralbank in den USA besitzt – direkt oder über US-Bürger. Unterstützungmaßnahmen für den Rubel seien so „nicht mehr länger möglich“, hieß es.

Kanada erließ einen ganz ähnlichen Schritt mit dem Ziel, dass Russland an seine in den G7-Staaten befindlichen Zentralbankreserven nicht mehr herankommt. Das Verbot stelle sicher, dass Russlands Angriff auf die Ukraine einem „strategischen Scheitern“ gleichkomme, erklärte Finanzministerin Chrystia Freeland. Auch die Regierung in Japan kündigte an, Transaktionen mit der russischen Zentralbank zu beschränken.

Großbritannien friert russische Bankvermögen ein

Großbritannien kündigte an, die Vermögen sämtlicher russischer Banken im eigenen Land einzufrieren. Das werde „in den kommenden Tagen“ geschehen und ziele darauf ab, die Finanzierung des Krieges zu verhindern, sagte Außenministerin Liz Truss.

Unterdessen kritisierte eine Reihe russischer Oligarchen den Kreml. In einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin schrieb der Medienmogul Evgeny Lebedev: „Als Bürger Russlands bitte ich Sie, den Zustand zu beenden, in dem Russen ihre ukrainischen Brüder und Schwestern töten.“ Zuvor hatten auch die Milliardäre Oleg Deripaska und Oleg Tinkow deutliche Kritik am russischen Krieg in der Ukraine geübt. In Russland wird nur selten Kritik der Wirtschaftselite an der Regierung laut.

Putin holte derweil zu einem neuen rhetorischen Schlag gegen den Westen aus. Bei einem Treffen, an dem unter anderem Russlands Zentralbankchefin Elwira Nabiullina und Sberbank-Chef German Gref teilnahmen, bezeichnete Putin die westlichen Länder als ein „Imperium der Lügen“, das „Sanktionen gegen unser Land realisieren“ wolle.

Putin hat seinen Bürgern den Transfer von Devisen ins Ausland zudem verboten. Schulden im Ausland dürften nicht mehr beglichen werden, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Dekret des russischen Präsidenten, die auf der Seite des Kremls veröffentlicht wurde. Auch auf im Ausland eröffnete Konten darf kein Geld mehr überwiesen werden. Devisen sind Fremdwährungen. Aus Sicht von Russland also beispielsweise der US-Dollar oder der Euro.

Das Dekret tritt bereits an diesem Dienstag in Kraft. Offenbar soll so ein weiterer Wertverfall des russischen Rubels verhindert werden. Dies sei eine Reaktion auf die „unfreundlichen Maßnahmen“ der USA und ihrer Verbündeten, schreibt der Kreml. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben die EU-Länder, die USA und andere westliche Staaten zahlreiche Sanktionen verhängt. Eine der schärfsten Strafen ist ein Ausschluss einzelner russischer Banken aus dem Finanz-Kommunikationssystem Swift.