Hunderte Zivilisten haben nach Angaben des Betreibers in einer Chemiefabrik in der heftig umkämpften ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk Zuflucht gesucht. Etwa 800 Menschen harrten derzeit dort aus, hieß es am Dienstag auf der Unternehmens-Website. Unter den Schutzsuchenden seien 200 Fabrikarbeiter sowie 600 Einwohner der Stadt.

Die Arbeiter seien in der Fabrik geblieben, um den verbleibenden Teil der „hochexplosiven Chemikalien“ zu sichern, erklärte auf der Website ein Anwalt des Geschäftsmanns Dmytro Firtasch, dessen Konzern die Anlage betreibt. Die ukrainische Präsidentschaft bestätigte die Angaben auf AFP-Anfrage zunächst nicht.

Schoigu: Russische Armee hat Wohngebiete unter Kontrolle gebracht

Ukrainische Soldaten und russischen Truppen lieferten sich am Dienstag weiter erbitterte Straßenkämpfe in Sjewjerodonezk. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte in Moskau, die russischen Streitkräfte hätten die Wohngebiete der strategisch wichtigen Stadt vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Der Bürgermeister der Stadt hatte zuvor erklärt, die Lage ändere sich „stündlich“.

Firtasch ist einer der reichsten Menschen in der Ukraine und galt als enger Verbündeter des ehemaligen pro-russischen Staatschefs Viktor Janukowitsch, der 2014 nach einer pro-europäischen Revolution gestürzt worden war. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte vor einem Jahr Sanktionen gegen den Unternehmer verhängt. Er wurde beschuldigt, Titanprodukte an russische Militärunternehmen verkauft zu haben.

Dennoch hatte Firtasch Ende Februar die russische Invasion verurteilt. Er half auch dabei, gemeinsam mit der Präsidialverwaltung in Kiew und anderen Senderbetreibern einen rund um die Uhr sendenden Nachrichtenkanal aufzubauen.