Lille - Rund hundert Migranten sind am Wochenende von den französischen Behörden im Ärmelkanal bei dem Versuch aufgegriffen worden, nach Großbritannien zu gelangen. Etwa 90 Menschen auf drei in Seenot geratenen Booten wurden zu verschiedenen Tageszeiten am Samstag in der Nähe von Dünkirchen gerettet, wie die für den Ärmelkanal und die Nordsee zuständige Seepräfektur mitteilte. 

Einige der Migranten waren nach Behördenangaben „leicht unterkühlt“. Alle Menschen wurden an die französische Küste zurückgebracht und von der Grenzpolizei in Empfang genommen. Auch die Feuerwehr sei bei der Versorgung der Migranten im Einsatz gewesen.

Zwei mutmaßliche Schlepper festgenommen 

In der Nacht zum Sonntag wurden rund dreißig weitere Migranten an einem Strand in der Nähe der Bucht von Somme, etwa hundert Kilometer südlich von Sangatte, entdeckt. Zwei Männer seien festgenommen worden. Sie stehen im Verdacht, Schlepper zu sein. Ein Iraker gab zu, Migranten zu transportieren, die nach England wollten. Der zweite Mann, ein Pole, brachte in seinem Fahrzeug die für eine Überfahrt notwendige Ausrüstung wie Schlauchboot und Schwimmwesten, wie die Präfektur von Pas-de-Calais erklärte.

Seit Ende 2018 haben sich die illegalen Überfahrten im Ärmelkanal trotz Warnungen der Behörden wegen des dichten Verkehrs und niedriger Temperaturen auf der Wasserstraße vervielfacht. Nach Angaben des Seepräfekten Philippe Dutrieux wagten zwischen dem 1. Januar und dem 31. August etwa 15.400 Migranten die gefährliche Überfahrt. 3500 Menschen seien aus der Seenot gerettet und an die französische Küste zurückgebracht worden. Im Vergleich dazu versuchten im Jahr 2020 rund 9500 Migranten, den Ärmelkanal zu überqueren. 2019 waren es 2300 Menschen, 600 im Jahr 2018.