Armenien, Georgien und die Türkei sind zu beliebten Ländern für Exilrussen geworden. Zehntausende Russinnen und Russen haben seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine am 24. Februar ihrer Heimat den Rücken gekehrt. In der türkischen Metropole Istanbul und der armenischen Hauptstadt Eriwan unterstützt die russische Initiative „Die Arche“ die Ausgereisten bei der Ankunft.

Man stelle vor allem Unterkünfte für Menschen bereit, die „aus Angst vor einer Verhaftung in Eile fliehen mussten“, sagt Eva Rapoport (38), Freiwillige bei der Organisation, der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul. „Wir versuchen, jede Art von Hilfe anzubieten, damit sie wenigstens einige Zeit kostenlos unterkommen und herausfinden können, wie es für sie weitergeht.“

Einige Exilanten hätten Russland auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Aussichten angesichts der harten Sanktionen des Westens verlassen, sagt Rapoport. Junge Männer hätten zudem Angst, zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Vor allem gut ausgebildete Menschen seien unter den Neuankömmlingen.

„Die Arche“ wurde Anfang März, kurz nach Beginn des Krieges, gegründet. Sie finanziert sich nach eigenen Angaben aus Spenden. Bekannter Unterstützer ist der in London lebende Exil-Oppositionelle Michail Chodorkowski. Für Neuankömmlinge miete man etwa Wohnungen mit bis zu sechs Schlafzimmern an, sagt Rapoport. Alleine in Istanbul habe man bislang mehr als 200 Unterkünfte vermittelt.

Zahlen, wie viele Russen seit Beginn des Krieges in die Türkei gekommen sind, gibt die Regierung nicht bekannt. Zu touristischen Zwecken reisen jedes Jahr Millionen Russen in die türkischen Urlaubsregionen. Das Nato-Land Türkei hält seinen Luftraum für russische Flieger im Gegensatz zu Europa offen und beteiligt sich nicht an Sanktionen. Russen können zudem ohne Visum einreisen, was das Land zu einem Drehkreuz macht. Ein Teil der Neuankömmlinge ließe sich nicht in der Türkei nieder, sondern reise weiter, so Rapoport.

In der Ex-Sowjetrepublik Armenien halten sich nach offiziellen Angaben mittlerweile 75.000 Menschen aus Russland auf – Experten gehen sogar von 100.000 aus. Hotels, Pensionen und Mietwohnungen in der Hauptstadt Eriwan sind voll belegt, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. In Eriwan haben vor allem Programmierer Chancen auf eine Arbeitsstelle – dort sind einige IT-Unternehmen angesiedelt. Weil in Armenien auch Russisch gesprochen wird, gibt es für die Neuankömmlinge, darunter viele junge Familien, keine Sprachbarrieren.

Georgien ist ebenfalls eine Option als Zufluchtsort für Russen. Auch dort wird Russisch gesprochen. Bis Mitte März registrierten die Behörden mehr als 30 000 Einreisen aus dem Nachbarland. Mehr als 17.000 Russen verließen laut Innenministerium Georgien aber wieder.