Alexej Nawalny
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MoskauDie russische Polizei will eine Befragung des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in Deutschland beantragen. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die sibirische Polizei berichtet, will Russland damit erreichen, dass russische Ermittler dem Oppositionellen und anderen Zeugen „klärende und zusätzliche Fragen“ stellen können. Russische Ermittler wollen demnach zudem ihre deutschen Kollegen bei deren Ermittlungen begleiten.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagter der Berliner Zeitung, die Untersuchungsergebnisse aus dem Bundeswehr-Labor dürften nicht veröffentlicht werden.

Nawalny war während einer Wahlkampftour in Sibirien vergiftet worden. Er brach auf einem Inlandsflug zusammen, kam zunächst in Russland ins Krankenhaus und wurde dann zur Behandlung nach Berlin verlegt. Die Verkehrsabteilung des russischen Innenministeriums, die für die Vorermittlungen im Fall Nawalny zuständig ist, will bei der Bundesregierung nun eine Befragung Nawalnys in Berlin beantragen.

Nawalny konnte von den Ärzten der Berliner Charité inzwischen aus dem künstlichen Koma geholt werden und ist ansprechbar. Nach Angaben der Bundesregierung hat ein Labor der Bundeswehr nachgewiesen, dass Nawalny durch ein Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde, die in der früheren Sowjetunion entwickelt wurde. Seit dieser Erklärung verschärften sich die Spannungen zwischen Berlin und Moskau massiv.

Die russische Regierung weist jede Schuld im Fall Nawalny zurück und forderte die Bundesregierung unter anderem auf, ihr die Laborbefunde der Bundeswehr zur Verfügung stellen. Nach Darstellung Moskaus sollen bei der zweitägigen Behandlung und Untersuchung Nawalnys im Krankenhaus im sibirischen Omsk keine Spuren von Gift in dessen Körper gefunden worden sein.