Die russische Videoplattform Rutube, die sich als Konkurrent des US-Riesen Youtube betrachtet, ist am Dienstag Ziel einer massiven Cyberattacke geworden. „Wir sind tatsächlich mit der größten Cyberattacke in der Geschichte von Rutube konfrontiert“, teilte das Unternehmen im Messengerdienst Telegram mit. Die Wiederherstellung des Zugangs werde „mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Techniker zunächst dachten“, erklärte Rutube weiter.

Beim Aufrufen der Website Rutube.ru erschien am Dienstagmorgen ein schwarzer Bildschirm, darauf in weißer Schrift ein Hinweis auf die laufenden Wartungsarbeiten. „Die Website wurde gehackt. Aktuell ist die Lage unter Kontrolle. Die Nutzerdaten sind geschützt.“

Laut Rutube ist die Website bereits seit Montag nicht erreichbar. An dem Tag hatte Russland mit einer großen Militärparade den Sieg über Hitler-Deutschland vor 77 Jahren gefeiert. Hinter dem Cyberangriff stünden dieselben Hacker, die „in den vergangenen zwei Monaten immer wieder die Websiten öffentlicher Einrichtungen attackiert“ haben, erklärte das Unternehmen.

Angriffe auf russische Fernsehsender

Ukrainische Medien hatten am Montag auf Fotos gestützt berichtet, dass es Hackerangriffe auf das Ausstrahlungssystem der russischen Fernsehsender MTS, NTV-Plus, Rostelecom und Winx gegeben habe. Dabei sei die Nachricht verbreitet worden: „Das Blut tausender Ukrainer und hunderter ihrer getöteten Kinder klebt an euren Händen. Das Fernsehen und die Behörden lügen. Nein zum Krieg.“

Zwei Journalisten der Nachrichtenwebsite Lenta.ru, die als Kreml-treu gilt, veröffentlichten am Montagmorgen zudem einen langen Text, in dem die russische Militärintervention in der Ukraine als „blutig und absurd“ kritisiert wird. Der Text wurde schnell von der Seite entfernt. „Wir suchen jetzt Arbeit, Anwälte und vielleicht politisches Asyl“, erklärten die beiden Verfasser Egor Poliakow und Alexandra Mirotschnikowa.

Im März war die beim russischen Fernsehsender Perwy Kanal beschäftigte Redakteurin Marina Owsjannikowa während der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes hinter der Nachrichtensprecherin aufgetaucht. Owsjannikowa hielt ein Schild in die Kamera mit Kritik am russischen Vorgehen in der Ukraine und an der „Propaganda“ der Medien. Die Bilder gingen um die Welt, zahlreiche Internetznutzer begrüßten den „außergewöhnlichen Mut“ vor dem Hintergrund zunehmender Unterdrückung aller kritischen Stimmen in Russland.