Russland hat in der Nacht zum Sonntag den Vormarsch seiner Truppen in der Ukraine fortgesetzt, stieß aber weiter auf heftigen Widerstand. In Kiew warnten die Sirenen erneut vor russischen Luftangriffen. Den Streitkräften sei befohlen worden, „die Offensive aus allen Richtungen zu erweitern“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. „Nachdem die ukrainische Seite einen Verhandlungsprozess abgelehnt hat, haben heute alle Einheiten den Befehl erhalten, den Vormarsch aus allen Richtungen auszudehnen“, sagte der russische Armeesprecher Igor Konaschenkow.

Bei Angriffen wurden dann unter anderem ein Öllager in Wassylkiw, etwa 30 km südwestlich von Kiew getroffen, was ein riesiges Feuer auslöste, sowie eine Gaspipeline in Charkiw, wie es von ukrainischer Seite hieß. Die ukrainische Armee verhinderte nach eigenen Angaben einen Einmarsch der russischen Truppen in die Hauptstadt. Es gebe aber Kämpfe mit russischen „Sabotagegruppen“. Bürgermeister Klitschko verhängte deshalb eine vollständige Ausgangssperre bis zunächst Montagmorgen. Zivilisten, die dennoch auf den Straßen seien, würden „als Mitglieder von Sabotagegruppen des Feindes betrachtet“.

Der U-Bahn-Verkehr in Kiew wurde vollständig eingestellt, die U-Bahnhöfe dienen nun als Schutzräume für die Einwohner. Zahlreiche Menschen suchen dort bereits seit Tagen Zuflucht vor den russischen Raketenangriffen. Präsident Selenskyj zeigte sich weiter kämpferisch. „Ich bin hier. Wir werden unsere Waffen nicht niederlegen. Wir werden unseren Staat verteidigen“, sagte er in einer Videobotschaft. Die ukrainische Armee wehre „feindliche Angriffe erfolgreich“ ab.

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow hat seinen Soldaten nach den tagelangen schweren Kämpfen gegen die angreifende russische Armee Mut gemacht. In einem Beitrag auf Facebook sprach er von „drei Tagen, die unser Land und die Welt für immer verändert haben“. Dabei sei es den Russen nicht gelungen, Kiew zu erobern. (mit dpa, afp)