Kiew meldet „Energie-Terror“: Kein Strom und Wasser nach massivem Beschuss

Luftalarm im ganzen Land: Russland hatte erklärt, die Energie-Infrastruktur der Ukraine verstärkt ins Visier zu nehmen. Kiew trifft es besonders hart.

Rauch über Kiew nach Beschuss der Stadt.
Rauch über Kiew nach Beschuss der Stadt.AP/Efrem Lukatsky

Zwei Tage nach den schweren Drohnenangriffen auf Russlands Schwarzmeerflotte war die Energie-Infrastruktur der Ukraine nach Angaben Kiews erneut Zielscheibe massiver russischer Angriffe. In weiten Teilen des Landes gab es Luftalarm, die ukrainische Flugabwehr war aktiv, wie die dortigen Behörden mitteilten. Auch in Charkiw und Saporischschja waren demnach Explosionen zu hören. Die Behörden riefen die Menschen auf, sich in Schutzbunkern und anderen Räumen in Sicherheit zu bringen. Teils gibt es Stromausfälle und Probleme mit der Wasserversorgung.

Ersten offiziellen Angaben starteten die russischen Truppen – wie an den vergangenen Montagen – wieder Dutzende Raketenangriffe im morgendlichen Berufsverkehr. Russland hatte erklärt, besonders die Energie-Infrastruktur des Nachbarlands ins Visier zu nehmen. 

Am Montagabend waren in Kiew immer noch rund 250.000 Wohnungen ohne Strom. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, in 40 Prozent der Verbrauchsstellen gebe es noch kein Wasser. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Morgen gebessert, als noch 80 Prozent der Anschlüsse kein Wasser hatten. In rund 350.000 Wohnungen war der Strom ausgefallen. Klitschko erwartete eine weitere Stabilisierung der Lage in den späteren Abendstunden.

Für Dienstag kündigte er weitere Stromsparmaßnahmen im öffentlichen Nahverkehr an. So werde die U-Bahn seltener fahren. Stromgetriebene Straßenbahnen und Oberleitungsbusse sollten durch normale Busse ersetzt werden.

Raketen und Drohnen trafen 18 Energie-Anlagen im ganzen Land

Das ukrainische Militär berichtete von über 50 Marschflugkörpern, die von russischen Flugzeugen vom Norden des Kaspischen Meers sowie von der russischen Region Rostow aus auf die Ukraine abgefeuert worden seien. Der ukrainischen Seite gelang es demnach, 44 Raketen abzufangen.

Raketen und Drohnen hätten insgesamt 18 Anlagen in zehn Regionen des Landes getroffen, erklärte der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal. „Hunderte Gemeinden“ in sieben Regionen seien ohne Strom.

Das russische Verteidigungsministerium informierte über Angriffe mit „Präzisionswaffen“ gegen militärische Kommandostrukturen und Anlagen zur Stromversorgung. Alle anvisierten Ziele seien getroffen worden, erklärte es.

Trümmer von abgeschossener Rakete gehen auf Dorf in Moldau nieder

Teile einer abgeschossenen russischen Rakete gingen laut der moldauischen Regierung in einem Dorf im nördlichen Grenzgebiet zur Ukraine nieder. Dabei habe es Sachschäden gegeben, Menschen seien aber nicht zu Schaden gekommen.

Die russischen Luftangriffe seien eine „direkte Gefahr für die Sicherheit der Nachbarstaaten“, warnte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko. Erneut forderte er auf Facebook von den Verbündeten moderne Raketen- und Luftabwehrsysteme für sein Land.

Kiew war bereits am 10. und 17. Oktober Ziel russischer Drohnenangriffe gewesen, bei denen die Energieversorgung schwer beschädigt wurde. Auch in anderen ukrainischen Städten und Regionen gab es wiederholt Angriffe auf die Energie-Infrastruktur.

Moskau hatte die Ukraine für die Angriffe am Samstag auf die Schwarzmeerflotte auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim verantwortlich gemacht. Als Reaktion setzte Moskau bereits das Abkommen zum Export ukrainischen Getreides aus.