Moskau -  Der russische Präsident Wladimir Putin hat seinem belarussischen Kollegen Alexander Lukaschenko bis Ende Juni 500 Millionen US-Dollar (410 Millionen Euro) Kredit in Aussicht gestellt. Lukaschenko war für ein zweitägiges Treffen mit Putin in dessen Residenz nach Sotschi am Schwarzen Meer gereist. Anschließend gab der Kreml die weiteren Hilfen für die ehemalige Sowjetrepublik bekannt. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax, dass es sich um die zweite Tranche eines Kredits handle, der bereits früher beschlossen worden sei - noch vor der international heftig kritisierten Umleitung einer Ryanair-Maschine vor einer Woche. Dem Kreml zufolge ging es auch um andere Fragen des Handels und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Gleich zu Beginn hatte Putin angekündigt, Lukaschenko in der Konfrontation mit dem Westen weiter zu unterstützen.

Putin schlug dem Gast aus Minsk auch einen gemeinsamen Badeausflug vor. Am Sonntag veröffentlichte der dem belarussischen Staatsfernsehen nahe stehende Telegram-Kanal Pul Perwogo zumindest ein Foto, wie Lukaschenko allein im Wasser planscht. Gemeinsam fuhren die beiden nach den Gesprächen mit einer Jacht übers Schwarze Meer, posierten für Fotos und schauten sich Delfine an. Beim Abendessen war auch Lukaschenkos Sohn Nikolai dabei.

Zuvor hatten die USA Strafmaßnahmen gegen neun belarussische Staatsbetriebe verkündet. Das Weiße Haus gab bekannt, in Absprache mit der EU und weiteren Partnern gezielte Sanktionen gegen „Schlüsselfiguren des Regimes“ vorzubereiten. Darum dürfte es nach Angaben aus dem Élysée-Palast auch in der Online-Schalte von Merkel und Macron gehen. Das US-Außenministerium sprach zudem eine Reisewarnung für Belarus aus.

Die EU hatte sich bereits gleich nach der Zwangslandung auf neue Sanktionen geeinigt, die auch den Flugverkehr betreffen. Sie stellte Belarus zudem ein drei Milliarden Euro starkes Unterstützungspaket in Aussicht. Es soll allerdings erst aktiviert werden, wenn dort ein „demokratischer Übergang“ eingeleitet wird. Die Konfrontation mit dem Westen hatte sich zugespitzt, weil Lukaschenko eine Ryanair-Maschine auf den Boden bringen ließ, um einen seiner Gegner festnehmen zu lassen, den Blogger Roman Protassewitsch. Der 26-Jährige sitzt in Haft, ebenso wie seine Freundin Sofia Sapega, eine Russin.

Sapegas Schicksal sei Russland „nicht egal“, sagte Kremlsprecher Peskow. Gleichzeitig betonte er, dass die 23-Jährige zwar russische Staatsbürgerin sei, aber eine Aufenthaltsgenehmigung in Belarus habe. In mehreren Ländern gab es am Wochenende zudem Demonstrationen für die Freilassung Protassewitschs. Am Montag wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron über ein neues Sanktionspaket sprechen.