Russland verlegt offenbar in Belarus erneut Truppen an Ukraine-Grenze

Die Ukraine geht von gemeinsamen Manövern oder einer Verlagerung von Truppen aus. Für Angriffe seien die Verbände an der Grenze nicht stark genug.

Ein russischer und ein belarussischer Soldat im Februar dieses Jahres. Ukrainische Beobachter gehen davon aus, dass es gemeinsame Manöver der Truppen geben könnte. 
Ein russischer und ein belarussischer Soldat im Februar dieses Jahres. Ukrainische Beobachter gehen davon aus, dass es gemeinsame Manöver der Truppen geben könnte. AFP/Handout/Ministry of Defence Republic of Belarus

Das russische Militär hat ukrainischen Medienberichten zufolge erneut mit der Verlegung stärkerer Truppenverbände an die Grenze von Belarus zur Ukraine begonnen. Neben Panzern, Schützenpanzern und Transportern sei auch diverses militärisches Gerät in die Nähe der Grenze gebracht worden, berichteten die Ukrajinska Prawda und die Agentur Unian am Dienstag unter Berufung auf das belarussische Hacker-Kollektiv Hajun Project. Die Gruppe verfolgt alle Aktionen der dort stationierten russischen Truppen.

Die Beobachter gingen davon aus, dass es sich entweder um eine Verlagerung von russischen Truppen aus dem Norden und der Mitte von Belarus oder um eine kurzfristige Verlegung zu gemeinsamen Manövern mit der belarussischen Armee an der Grenze zur Ukraine handelte. Für Angriffshandlungen seien die an die Grenze verlegten Verbände gegenwärtig nicht stark genug, hieß es.

Die ukrainische Militärführung argwöhnt schon länger, dass Russland erneut versuchen könnte, aus Belarus in die Ukraine vorzustoßen. Zu Beginn des Kriegs vor zehn Monaten war eine aus Belarus vordringende russische Kampfgruppe bis in die Vororte von Kiew gelangt, wurde dann aber von den Ukrainern heftig bekämpft und zum Rückzug gezwungen.

Fragezeichen hinter Fähigkeiten der russischen Streitkräfte

Nach Einschätzung der USA ist die russische Führung gespalten in der Frage einer möglichen Winteroffensive. „Ich denke wir sehen widersprüchliche Dinge“, sagte ein US-Regierungsvertreter. In der russischen Führung wollten einige weitere Offensiven gegen die Ukraine führen. „Andere haben echte Fragen über die Fähigkeit Russlands, das tatsächlich zu tun.“

Die Ukraine dagegen zeige trotz des Winterwetters „keine Absicht“, bei der Rückeroberung von Russland besetzter Gebiete nachzulassen, sagte der Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, weiter. „Ich denke, die Russen müssen das einkalkulieren.“ Die USA würden die Ukraine so gut es gehe mit den Mitteln ausrüsten, um „sich effektiv gegen die russische Aggression zu verteidigen“.

Ukraine warnt vor neuem Vorrücken russischer Truppen auf Kiew

Die Ukraine warnt, dass Russland eine Winteroffensive vorbereiten könnte – einschließlich eines erneuten Vorrückens auf die Hauptstadt Kiew, wenn die Böden gefroren sind. Der russische Präsident Wladimir Putin trifft sich nach Kreml-Angaben am Mittwoch mit hochrangigen Militärvertretern, um knapp zehn Monate nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine die Ziele seiner Armee für das kommende Jahr festzulegen.

Russland hatte in den vergangenen Monaten erhebliche militärische Rückschläge erlitten. Unter anderem musste die russische Armee sich aus der nordostukrainischen Region Charkiw und aus der Stadt Cherson im Süden des Landes zurückziehen.