Infolge des Ukraine-Konflikts hat der Westen scharfe Sanktionen gegen Moskau verhängt. Zahlreiche Konzerne haben ihre Geschäfte mit Russland ausgesetzt, der Rubel befindet sich im freien Fall. Die ersten Auswirkungen der Strafmaßnahmen machen sich bereits bei den russischen Bürgern bemerkbar.

Auf den Straßen Moskaus ist von Panik bisher keine Spur, die Restaurants sind am verlängerten Wochenende rund um den Internationalen Frauentag gut besucht.

Unter Fachleuten macht sich jedoch Aufregung bemerkbar: Das Land versucht, auf die Auswirkungen der westlichen Sanktionen, aber auch auf den Rückzug internationaler Unternehmen vom russischen Markt zu reagieren.

In einem Land, das nach dem Ende der Sowjetunion unter großer Knappheit, Hyperinflation und zahlreichen Wirtschaftskrisen gelitten hat, ist die Verfügbarkeit von Lebensmitteln eine wichtige Sicherheit. Bereits jetzt stellen große Einzelhandelskonzerne nach Angaben des russischen Handelsministeriums einen Anstieg der Einkäufe von Grundnahrungsmitteln fest. Das Handelsministerium befürchtet daher die Entstehung eines Schwarzmarktes.

Laut Handelsministerium gab es Fälle, in denen Lebensmittel „in einer deutlich größeren Menge als für den privaten Verbrauch erforderlich (bis zu mehrere Tonnen)“ gekauft worden seien. Diese seien „für den anschließenden Weiterverkauf“ gedacht gewesen. Deshalb unterstütze die Regierung „Initiativen“ von Handelsorganisationen, die Mengenbeschränkungen bei der Abgabe von Grundnahrungsmitteln an Verbraucher einführen wollen.

Zu den lebensnotwendigen Gütern, deren Preise staatlicher Kontrolle unterliegen, gehören unter anderem Brot, Reis, Mehl, Eier sowie ausgewählte Fleisch- und Milchprodukte. Um die Inflation zu bremsen, kann Russland beschließen, die Preise für diese Grundnahrungsmittel zu begrenzen. Bisher hat Moskau jedoch keine Maßnahmen in diese Richtung ergriffen.

Laut Fachleuten ist ein Preisanstieg bereits Realität, auch wenn noch keine Gesamtstatistik vorliegt. So berichteten Manager von Gastronomie-Konzernen der Zeitung „Kommersant“ von erheblichen Preissteigerungen bei ihren Lieferanten, selbst bei einheimischen Produkten.

Ein weiteres Zeichen für die sich abzeichnenden Schwierigkeiten ist, dass die russische Zentralbank die Banken des Landes angewiesen hat, ihre Finanzbilanzen ab Februar nicht mehr zu veröffentlichen. Damit sollen „die Risiken für die Kreditinstitute aufgrund der Sanktionen begrenzt werden“, hieß es.

Denn jeglicher Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Banken könnte einen Ansturm auf die Schalter auslösen, den sowohl die Behörden als auch die Banken unbedingt vermeiden wollen - zumal der Rubel gegenüber dem Dollar und dem Euro abgestürzt ist.

Die Banken bemühen sich, ihre Kunden angesichts der ausgesetzten Geschäfte der US-Kreditriesen Visa, American Express und Mastercard zu beruhigen. Die Konzerne hatten am Wochenende mitgeteilt, dass in Russland ausgestellte Kreditkarten im Ausland nicht mehr funktionieren werden. Umgekehrt lassen sich im Ausland ausgestellte Karten nicht mehr in Russland nutzen.

Russische Banken wollen deshalb nach eigenen Angaben auf das chinesische UnionPay-System ausweichen. „Mit dieser Karte kann man Zahlungen in 180 Ländern der Welt tätigen“, erklärte etwa die Alfa-Bank-Gruppe. Den Angaben der Bank zufolge werden russische Karten von Visa- und Mastercard ab Dienstag nicht mehr funktionieren.

Russen, die sich derzeit außer Landes befinden, stehen somit vor einem Problem. „Wenn Sie sich im Ausland befinden, empfehlen wir Ihnen, Bargeld abzuheben“, erklärte Alfa Bank.