Trier - Eine Amokfahrt wie in der Trierer Innenstadt lässt sich nach Einschätzung des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz nur schwer verhindern. „Wenn das Auto zur Mordwaffe wird, dann ist es schwierig zu sagen als Staat, das können wir zu 100 Prozent unterbinden. Nein, das können wir nicht“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in einem Interview im Deutschlandfunk. „Wie wollen Sie etwas verhindern, wenn ein Mensch sich entscheidet, sich ins Auto zu setzen und gezielt Menschen anzugreifen?“

Nach bisherigen Ermittlungen hatte ein Mann mit einem PS-starken Geländewagen am Dienstag in Trier gezielt Menschen in der Fußgängerzone überfahren. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby und sein Vater. 14 Menschen wurden verletzt. Der dringend Tatverdächtige soll noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Staatsanwaltschaft zufolge gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung bei dem 51-Jährigen.

Am Mittwochvormittag sollte am Trierer Wahrzeichen Porta Nigra, einem historischen römischen Stadttor, der Opfer gedacht werden.

Polizei hat Absperrung der Innenstadt beendet

Nach Angaben von Lewentz ist bisher kein Bekennerschreiben des Amokfahrers gefunden worden. Bei der Aufklärung komme es nun auf die Vernehmungen und die Bereitschaft des Verdächtigen an, seine Motive offenzulegen. Derzeit gingen die Ermittler davon aus, dass der Amokfahrer ohne organisierten Hintergrund gehandelt habe. Es gebe auch weiter keine Hinweise auf ein politisches Motiv. Der Mann hat der Polizei zufolge ausgesagt. „Er spricht mit uns“, teilte ein Polizeisprecher mit. Zu Inhalten könne man aber zunächst keine Angaben machen.

Unterdessen hat die Polizei in Trier die Absperrung von großen Bereichen der Innenstadt aufgehoben. „Die Stadt ist wieder frei“, sagte ein Polizeisprecher. Es werde zwar noch weitere Ermittlungen geben, dafür seien aber keine Absperrungen mehr erforderlich.

Minister Lewentz sagte, es wäre schwierig, eine Großstadt so abzusperren, dass man mit einem Fahrzeug nirgendwo Menschen angreifen könnte. „Eine Fußgängerzone ist allein deswegen befahrbar, weil natürlich dort viele Geschäfte sind, die permanent Lieferverkehr bekommen.“ Diese Bereiche müssten auch für Rettungsfahrzeuge offen sein.

Keine Hinweise auf Mittäter oder Komplizen

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte am Dienstag gesagt, dass bei einem Weihnachtsmarkt Poller aufgestellt worden wären – der Markt finde aber coronabedingt nicht statt. „Wer rechnet mit so einer Tat, wer kann eine Innenstadt in dieser Dimension komplett absichern?“ Möglicherweise hätte sich der Täter dann ein anderes Ziel gesucht. „Es gibt keine absolute Sicherheit“, meinte er.

Die Tat wird von der Staatsanwaltschaft als mehrfacher Mord, Mordversuch und gefährliche Körperverletzung eingestuft. Es gebe keinen weiteren Tatort oder Hinweise auf Mittäter oder Komplizen des Festgenommenen, hieß es. Der 51 Jahre alte Verdächtige aus dem Kreis Trier-Saarburg ist Deutscher, er war zur Tatzeit betrunken, bei ihm wurden 1,4 Promille festgestellt.

Zu den Todesopfern zählen neben dem Baby drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie der 45-jährige Vater des Kindes. Alle stammen aus Trier. Die Mutter des Babys hat überlebt und liegt den Behörden zufolge ebenso im Krankenhaus wie ihr eineinhalb Jahre alter Sohn.