Dresden/Chemnitz - Eine Lockerung der Maskenpflicht beim Einkaufen hält der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, angesichts niedriger Infektionszahlen zwar für vertretbar – warnt aber zugleich vor einem falschen Signal. „Lockerungen bedeuten nicht, dass das Problem erledigt ist“, sagte der Infektiologe der Deutschen Presse-Agentur. Es dürfe nicht der Eindruck vermittelt werden, dass die Pandemie vorbei sei. Auch Großveranstaltungen wie jüngst volle Stadien bei der Fußball-EM sieht der Experte eher kritisch. „Das vermittelt ein Bild, dass wir keine Probleme haben. Davon kann aber keine Rede sein.“

Sachsen hat seine Corona-Regeln weiter gelockert. So muss seit Freitag beim Einkaufen keine Maske mehr getragen werden - wenn die Inzidenz unter zehn liegt und Abstände eingehalten werden. Auch Großveranstaltungen bis zu 25.000 Menschen sind wieder erlaubt.

Grünewald: Vieles spricht für eine vierte Welle

Grünewald, zugleich Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz, warnte vor einem Akzeptanzproblem, wenn die Corona-Zahlen wieder steigen. Dann brauche es viel „Überzeugungsarbeit“, um etwa die Maskenpflicht beim Shoppen wieder einzuführen. Vieles spreche für eine vierte Welle, so Grünewald, und verwies auf Länder wie Großbritannien, in denen sich etwa die Delta-Variante stark ausbreitet. Das Land sei Deutschland immer zwei, drei Monate beim Infektionsgeschehen voraus gewesen.

Mit Sorge beobachtet der Infektiologe auch die Impfmüdigkeit in Sachsen. Lag der Freistaat bei den Zweitgeimpften zunächst im bundesweiten Vergleich vorn, nehme Sachsen mittlerweile einen hinteren Platz ein. Laut Robert Koch-Institut sind in Sachsen 42,2 Prozent der Menschen vollständig geimpft - der Bundesdurchschnitt liegt bei 45,3 Prozent.