Dresden - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schließt eine Impfpflicht gegen das Coronavirus nicht mehr kategorisch aus. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte der CDU-Politiker, momentan lehne er einen Impfzwang noch ab. „Es ist eine psychologische Frage. Immer dann, wenn ich über Zwang spreche, machen Menschen zu, die ansonsten noch erreichbar wären. Deswegen ist jetzt der falsche Zeitpunkt für diese Debatte.“ Ende des Sommers könne sich diese Frage aber neu stellen. „Wenn 60, 70 Prozent geimpft sind, dann kann man noch mal über die Impfpflicht reden“, so Kretschmer.

Bisher wird in Deutschland bei den Corona-Impfungen auf reine Freiwilligkeit gesetzt. Bundegesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte mehrfach betont, dass es keine Impfpflicht geben werde. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte allerdings bereits im Januar, der deutsche Ethikrat solle Vorschläge machen, „ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre“. Der CSU-Chef hatte zuvor beklagt, es gebe „unter Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen eine zu hohe Impfverweigerung“.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht aus. „Ich denke nicht, dass Vorschriften besonders bei dieser Impfung der richtige Weg sind“, sagte WHO-Impfexpertin Kate O'Brien. Eine Impfung gegen das Virus vorzuschreiben oder nachdrücklich zu empfehlen, könne in bestimmten Berufsfeldern wie der Intensivmedizin sinnvoll sein. Es gebe aber Beispiele, in denen eine Impfpflicht den gegenteiligen Effekt gehabt und nicht zu einer höheren Immunisierungsrate in der Bevölkerung geführt habe.