Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine verhängt der Westen scharfe Sanktionen – auch gegen russische Oligarchen. Doch seit Beginn des Krieges verschwinden immer mehr Jachten von russischen Oligrachen von der Bildfläche. Eine Recherche der britischen Zeitung The Observer hat nun herausgefunden, wie Besitzer russischer Jachten die Sanktionen trotz allem umgehen können.

Das automatische Tracking-System (AIS) ist ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert. Nach Informationen des Observers sollen die Besitzer einiger Jachten das System ausgeschaltet haben, um nicht gefunden zu werden. Besitzer von Schiffen sind dazu verpflichtet, das AIS während Seepassagen und auf Ankerplätzen zu verwenden.

Viele Jachten vor den Malediven gesichtet

„Uns wurde gesagt, wir sollen das AIS ausschalten“, berichtete ein Crewmitglied der Jacht eines sanktionierten Oligarchen dem Observer. Viele der Jachten wurden zuletzt auf den Malediven gesehen. Die Malediven haben kein Auslieferungsabkommen mit den USA – die Jachten könnten so nicht aufgrund der Sanktionen beschlagnahmt werden.

Eine Analyse der AIS-Daten ergab eine Liste von Jachten, die mit russischen Oligarchen in Verbindung gebracht werden und die seit Beginn des Krieges von der Bildfläche verschwanden.

Die Motoryacht „A“ wurde laut AIS zuletzt am 10. März in der Nähe der Malediven gesichtet. Besitzer ist der russische Oligarch Andrej Melnitschenko. Die „Ocean Victory“, wurde dort ebenfalls zuletzt Anfang März gesichtet. Sie gehört dem russischen Unternehmer und Politiker Viktor Raschnikow. Auch eine Jacht des Präsidenten des zweitgrößten Aluminiunherstellers RUSAL ist abgetaucht.

Die Jachten der Oligarchen wurden bereits häufig Ziel von Beschlagnahmungen. Zuletzt beschlagnahmte Italien eine angebliche Jacht des Kremlchefs Wladimir Putin. Bereits im März wurde eine 530 Millionen Euro teure Jacht in Italien festgesetzt.