„In den Himmel will ich nicht!“, betitelte Hans Scheibner seine Autobiografie, die er im Spätsommer 2016 zu seinem 80. Geburtstag vorgelegt hat. Lebhaft erzählt der Sohn eines kleinen Hamburger Speditionsunternehmers in dem Band, wie es dazu kam, dass er nach einer Verlagslehre und Schritten als Theaterschauspieler jahrzehntelang bundesweit als Satiriker, Kabarettist und Liedermacher Erfolge feierte.

Und dabei auch immer wieder politisch aneckte. Nun weilt der Texter von Oldie-Hits wie „Schmidtchen Schleicher“ und „Hamburg 75“, der Urheber der Satiren-Sendungsreihen „scheibnerweise“ (ARD) und „Walther und Willy“ (NDR) und Verfasser zahlreicher Bücher womöglich doch auf Wolke sieben.

Denn wie seine Familie am Mittwochabend in Hamburg mitteilte, starb Scheibner am Montag im Alter von 85 nach kurzer schwerer Krankheit. Seine größte Zeit hatte der Lästerlyriker in der legendären „Hamburger Szene“ der 1970er Jahre. Im Umfeld der Musikkneipe „Onkel Pö“ schrieb er Lieder für Meyer's Dampfkapelle, machte Furore mit seinem Song „Ich mag so gern am Fließband stehn“ und veröffentlichte Gedichtbände („Spott zum Gruße“, 1974).

1976: „Schmidtchen Schleicher“ wurde ein Top-Ten-Hit

Mit Scheibners Text zum Gassenhauer „Schmidtchen Schleicher“ landete Nico Haak 1976 einen Top-Ten-Erfolg. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der Autor für Gottfried und Lonzo, zwei Protagonisten der „Rentnerband“, die Hymne „Hamburg 75“ verfasst.

Etwas später erschien Scheibners LP „Achterndiek“, deren Titellied nicht nur in Brokdorf zum Anti-Atomkraft-Hit geriet. Ein Volltreffer wurde 1979 die Spott-Ballade „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner!“, die der Verfasser im Laufe der Zeit um neue, politisch aktuelle Strophen erweiterte. Doch Scheibner sorgte auch immer wieder selbst für Karriereknicks - etwa, wenn er 1985 in der NDR-Talkshow Soldaten mit Mördern verglich. Woraufhin seine ARD-Sendung „scheibnerweise“ erst einmal abgesetzt wurde.

Scheibners Vater diente unter den Nazis

Dabei hatte er sein politisches Bewusstsein erst relativ spät entwickelt. „Nach dem Krieg ging es ja zunächst um materielle Dinge. Was politisch dahinter steckte, habe ich erst in den 1960er Jahren bemerkt - auch in Diskussionen mit meinem Vater, der unter den Nazis Soldat gewesen war“, erinnerte sich Scheibner im Gespräch zum 80. mit der Deutschen Presse-Agentur.

In jungen Jahren habe er radikal nach dem Sinn von Leben und Sterben gesucht. „Ich las Sokrates, Platon, Aristophanes, Lessing, Nietzsche, Kierkegaard. Aus Geldmangel konnte ich nicht studieren, also bildete ich mich allein und fing vorn mit der Antike an“, sagte der privat freundlich-verbindliche Scheibner. Und resümierte: „Das humanistische Menschenbild hat mich begeistert - es ging den Autoren ja eigentlich immer um Menschlichkeit.“

Scheibner: „Ich mag nicht, was verbittert ernsthaft oder ewig betroffen ist“

Kirche und Religion hatte der überzeugte Hamburger indes genauso abgeschworen wie später dem zeitgeistkonformen Marxismus. Deshalb erschien er, der gern auch Alltägliches und Zwischenmenschliches (Bühnenprogramm „Wer nimmt Oma?“) aufs Korn nahm, den Linken oft zu konservativ und den Konservativen zu links. Doch ist „Zwischen den Stühlen“ eine Haltung, die Scheibner schätzte. „Ich mag nicht, was verbittert ernsthaft oder ewig betroffen ist - dicht neben dem Pathetischen liegt ja oft die Komik“, sagte der Kabarettist, „zudem darf man nicht vergessen, dass auch die Gegner Menschen sind, die ihre Ideen haben, Verständnis und Mitgefühl verdienen.“

Kritisches Bewusstsein und Spaß am Leben schlossen sich eben nicht aus für den Künstler, der seit 1990 in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Petra Verena Milchert verheiratet und begeisterter Vater von vier Töchtern war.