Potsdam - Die Straftaten im Bereich häusliche Gewalt bleiben in Brandenburg während der Corona-Pandemie auf hohem Niveau. Von Mai bis Oktober dieses Jahres registrierte die Polizei vorläufigen Angaben zufolge 2353 Anzeigen, nur 45 weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, wie das Sozialministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der Linksfraktion des Landtages mitteilte. Ende Oktober wurde eine Frau Opfer eines tödlichen Gewaltdelikts – es war bereits der zweite Fall in diesem Jahr.

Schon im September 2020 hatte sich in Brandenburg eine tödliche Gewalttat im Bereich der häuslichen Kriminalität ereignet. Im Juli meldete die Polizei einen versuchten Tötungsdelikt, im August folgte eine gefährliche Körperverletzung. Allerdings sind in den jüngsten Angaben aus dem Polizeilichen Auskunftssystem Strafsachen (Polas) noch keine Nachmeldungen enthalten. Das tatsächliche Ausmaß der häuslichen Gewalt könnte daher für 2021 noch höher ausfallen.

Im bisherigen Verlauf dieses Jahres meldete das Landeskriminalamt vorläufigen Angaben zufolge bis Ende Oktober 3817 häusliche Gewaltdelikte. Das waren 170 weniger als in den ersten zehn Monaten des Vorjahres. Die Straftaten nach dem Gewaltschutzgesetz verringerten sich im Berichtszeitraum nur geringfügig von 52 auf 50. Dabei handelt es sich um Fälle, bei denen ein Straftäter gegen ein richterlich angeordnetes Kontaktverbot verstieß.

Oktober: Zehn Frauenhäuser in Brandenburg voll ausgelastet

Die 22 Frauenhäuser in Brandenburg waren in diesem Jahr unterschiedlich ausgelastet. Laut Sozialministerium, das sich auf Angaben des Netzwerks der Brandenburger Frauenhäuser stützt, waren sie zwischen April und Oktober 2021 im Schnitt zu knapp 30 Prozent belegt. Ende September bis Ende Oktober habe sich jedoch ein großer Bedarf gezeigt, teilte das Ministerium mit. Fast den gesamten Oktober über waren zehn Frauenhäuser voll ausgelastet. Eine Statistik über die Arbeit der Beratungsstellen in den Frauenhäusern kündigte das Sozialressort für das kommende Jahr an.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) hatte im Frühjahr bei der Bekanntgabe der Kriminalitätsstatistik für 2020 eine Studie über die Dunkelziffer der häuslichen Gewaltkriminalität angekündigt. Nur wer viel über das Dunkelfeld wisse, könne es aufhellen, sagte er. Unter häuslicher Gewalt fasst die Polizei alle Formen physischer, psychischer und sexueller Gewalt gegen Menschen zusammen, die in einer engen Beziehung zum Täter stehen.