Nach Erdrutschen und Überschwemmungen in Folge von heftigem Regen ist die Zahl der Toten in der Bergregion von Rio de Janeiro auf mindestens 67 gestiegen. Dies berichtete das brasilianische Nachrichtenportal „G1“ am Mittwoch unter Berufung auf die Stadtverwaltung von Petrópolis und die Feuerwehr. Demnach waren acht Kinder unter den Opfern. Die Zahl der Toten könne noch höher sein, zitierte die Nachrichtenagentur Agência Brasil den Bürgermeister von Petrópolis, Rubens Bomtempo.

Die Zahl der Verschütteten war zunächst nicht bekannt. Feuerwehr und Bewohner suchten nach ihnen. Insgesamt 21 Personen wurden der Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro zufolge lebend gerettet. Mindestens 80 Häuser wurden laut Berichten von einer Schlammlawine erfasst, mehr als 300 Personen mussten demnach ihre Häuser verlassen.

Bei Tageslicht wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. „Dabei war es an vielen Stellen schwierig zu unterscheiden, was ein Haus, was ein Grundstück oder was eine Straße war“, schrieb das Nachrichtenportal G1 über die „Stadt unter Schlamm“. Hänge rutschten ab, Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen, Straßen waren blockiert. Am Dienstag hatte es dem Meteorologie-Sender Climatempo zufolge in sechs Stunden mehr geregnet, als für den gesamten Monat Februar erwartet war.

Dutzende Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte waren im Einsatz, Einwohner griffen mit einfachem Gerät selbst zu. Gouverneur Claudio Castro schrieb auf Twitter, dass die schweren Maschinen mehrerer Ämter am Morgen auf dem Weg nach Petrópolis seien.

In den Monaten Januar, Februar und März kommt es in Rio und der Region immer wieder zu heftigen Regenfällen. Die Sängerin Elis Regina und der Komponist Antônio Carlos „Tom“ Jobim setzten den Märzregen in dem Bossa-Nova-Song „Águas de Março“ (wörtlich übersetzt: Wasser des März) in den 1970er-Jahren sogar ein musikalisches Denkmal.

In der Wirklichkeit sind sie weit weniger sanft, bringen wie diesmal Zerstörung und Tod mit sich. Oft haben die Bewohner ihre Häuser illegal an erdrutschgefährdete Berghänge gebaut, was die Regierung immer wieder kritisiert. Zudem sind Abwasser- und Kanalsysteme in vielen Städten nicht mitgewachsen, die Investitionen in sanitäre Einrichtungen, Entwässerung, Hochwasser- und Hangschutz werden vernachlässigt.

Präsident Bolsonaro erfuhr in Moskau von der Katastrophe

Bei einer Unwetterkatastrophe im Bergland von Rio de Janeiro im Jahr 2011 waren mehr als 900 Menschen ums Leben gekommen. Sie galt als die schlimmste in der Geschichte Brasiliens, von der unter anderem auch Petrópolis mit seinen rund 300.000 Einwohnern besonders betroffen war. Die von deutschen Einwanderern geprägte Stadt ist aufgrund ihrer Höhenlage und des kühlen Klimas in den tropisch-heißen Sommermonaten auf der Südhalbkugel auch bei Einwohnern Rios als Urlaubsort beliebt.

AP/Silvia Izquierdo
Schlammlawinen haben ganze Wohnviertel von Petrópolis zerstört.

„In Moskau habe ich von der Tragödie erfahren, die sich in Petrópolis ereignet hat“, schrieb der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro auf Twitter, der am Dienstag zu seinem Besuch in Russland angekommen war und am Mittwoch den russischen Präsidenten Wladimir Putin traf. „Möge Gott die Familien der Opfer trösten.“

In den vergangenen Wochen hatte es erst im benachbarten Bundesstaat Minas Gerais mindestens zehn Tote durch Erdrutsche und Überschwemmungen gegeben. Dort kam es zudem zu einer Tragödie, als eine Felswand auf ein Touristenboot auf dem Furnas-Stausee stürzte. Zehn Menschen kamen ums Leben. Unklar war, ob auch der heftige Regen dazu beigetragen hatte, dass sich ein großer Teil des Felsen löste. Zuvor hatte der nordöstlich an Minas Gerais angrenzende Bundesstaat Bahia die schwersten Überschwemmungen seit mehr als 30 Jahren erlebt.